Freitag, 1. April 2016

#5 Therapietief

Manchmal habe ich das Gefühl, dass meine Therapeutin genervt ist von mir.
Von meinen Nicht-Fortschritten.
Von meinen ewigen Hochs und Tiefs.
Von meiner Unfähigkeit nicht immer wieder ins Hungern zu rutschen, obwohl ich doch weiß, dass jede Hungerphase in einer Fressphase mündet.

Sie sagt mir, dass ich einfach mal keine Kalorien mehr zählen soll. Dass ich einfach mal nicht mehr wiegen soll, weder mich noch mein Essen. Und dass ich einfach mal nicht mehr so viel Sport machen soll. Ich soll einfach mal loslassen. Mir vertrauen. Ich soll einfach mal auf meinen Körper hören.
Ja, nur mein Körper redet schon lange nicht mehr mit mir und ich kann es ihm nichtmal verdenken!

Aber was mache ich, wenn ich mit all dem aufhöre? Wo finde ich stattdessen Halt?
Das kann sie mir dann auch nicht konkret beantworten, stattdessen höre ich von ihr immer und immer wieder eine Auswahl aus dem S-Wörter Katalog - Selbstwert, Selbstfürsorge, Selbstliebe, Selbstsicherheit, Selbstwasauchimmer.  
Bisher hat sie allerdings nicht verraten wie ich die ganzen Selbst-Sachen herbeizaubere.Und deshalb zähle, wiege, hungere und breche ich eben immernoch.

Und ja, auch ich würde lieber größere und schnellere Erfolge sehen. Ja, ich bin auch manchmal, sogar sehr oft genervt von mir. Aber nach fünf Jahren Essstörung ist "einfach mal nicht mehr..." eben nicht mehr einfach so möglich.

Ich möchte noch kurz anmerken, dass es generell ein Problem von mir ist, dass ich schnell das Gefühl habe, Andere zu nerven, ihre Erwartungen zu enttäuschen, etc. Kann also gut sein, dass ich hier auch nur wieder einen meiner üblichen Filme schiebe und meine Therapeutin der geduldigste Mensch on earth  ist ;-)


 

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