Über meine Essstörung

Ich habe die beiden Punkte "Über mich" und "Über meine Essstörung" ganz bewusst voneinander getrennt.
Natürlich ist die Essstörung ein aktuell noch viel zu großer Teil von mir, aber ich arbeite ja eben gerade daran, dass mich dieser Teil nach und nach immer weniger ausmacht. Dieser Teil wird trotzdem mein Leben lang zu mir gehören und das ist okay. Aber mein Ziel ist es, dass er im Laufe der Zeit immer mehr an Einfluss verliert.

 Meine Essstörung hat angefangen sich zu entwickeln, als ich 15 Jahre alt war. Eigentlich sogar schon eher, nämlich mit ca. 10/11 Jahren, als sich meine Eltern trennten und ich anfing mich mit Süßigkeiten zu betäuben. Damals nahm ich das allerdings noch nicht als problematisch wahr, aber unbewusst legte ich den Grundstein für den Mechanismus "Gefühlskompensation durch Zucker".

Mit 15 war ich  ziemlich unzufrieden mit meinem Gewicht. Ich war nicht dick, nicht übergewichtig, aber hatte so meine Problemzonen. Zur gleichen Zeit entschied meine Mutter, dass wir zu ihrem neuen Freund ziehen. Das war ein totaler Absturz für mich. Aber weil meine Meinung egal war, wohnten wir kurze Zeit später zu dritt unter einem Dach und ich fühlte mich so unerwünscht wie noch nie in meinem Leben. 
Passend dazu trennte sich mein damaliger Freund, meine erste große Liebe. 

Kurz und gut, zu dieser Zeit hatte ich mein erstes Mal über der Toilettenschüssel, nachdem ich eine ganz Packung Schokoladenkekse gegessen hatte.
Zur gleichen Zeit fing ich an extrem auf meine Ernährung zu achten, ging fast täglich laufen, aß immer weniger. Das Übergeben nutzte ich anfangs nur unregelmäßig, um mal einen Schokoriegel oder ein Eis loszuwerden.
Die klassischen Essattacken kamen erst nach und nach.Je mehr ich an Gewicht verlor, desto stärker verlangte mein Körper nach Essen. Überraschung-wer hätte das ahnen können?
Mehr und mehr wurde es zur Gewohnheit, dass ich hungerte und zudem 3-4 Mal in der Woche Fressattacken hatte und mich anschließend übergab.
Meine Eltern wussten nichts. Merkten nichts, wollten nichts merken. Ich wohnte später immer im Wechsel eine Woche bei meiner Mutter, eine Woche bei meinem Vater. Das machte es leicht unauffällig zu bleiben.

An meinem letzten Schultag, wenige Tage vor meinem 18. Geburtstag, landete ich im Krankenhaus. Zu viel Alkohol, zu wenig Essen. Mein Körper war einfach fertig.
Meine Eltern bemerkten gar nicht, dass ich nicht nach Hause gekommen war und reagierten nicht auf die Anrufe des Krankenhauses. Und ich bemerkte, dass mich niemand rettet. Nichtmal wenn ich im Krankenhaus liege. Denn ja, vielleicht war die Alkohol-Aktion ein Hilferuf gewesen.

Ich merkte also, dass ich mir selbst helfen musste. Ich machte einige radikale Veränderungen in meinem Leben-ich zog mit 18 von zuhause aus, verbannte meine Waage, akzeptierte, dass ich zunahm. ich aß wieder. Regelmäßig. Ausreichend. Und ich erbrach kein einziges Mal mehr, nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen worden war.
Das Jahr nach meinem Abitur ging ich arbeiten. Ich liebte den Job, hatte wunderbare Kollegen und mir taten die Struktur und die Selbstbestimmtheit gut.

 HAPPY END!

 Und dann? Nach einem essstörungsfreien Jahr zog ich in eine andere Stadt. Wollte studieren, bekam den Studienplatz nicht, suchte mir in letzter Sekunde als Notlösung einen Ausbildungsplatz, war unglücklich damit und so rutschte ich nach und nach wieder in den Hunger-Ess-Brech-Kreislauf. Stärker als je zuvor.

Und jetzt?
Jetzt mache ich seit vergangenem Sommer eine ambulante Verhaltenstherapie. Ich versuche wieder Regelmäßigkeit in mein Essen zu bringen. Und ich versuche mit meinen Gefühlen und Erwartungen anders umzugehen. "Anders" ist allerdings noch recht verschwommen. Aber ich bin und bleibe optmistisch. Denn in 50Jahren, da möchte ich nicht auf mein Leben zurückschauen und darum trauern, dass ich es mit Hungern und Erbrechen vergeudet habe.
You only live once, but if you do it right, once is enough.

Was ist eure Geschichte? Schreibt es mir gern in die Kommentare <3



1 Kommentar:

  1. Ich hätte Dir das Happy End sehr gegönnt, liebe Mina!

    Ich bin mir sicher, Du findest Deinen Weg!

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