Sonntag, 24. April 2016

#15 How many calories does running away from your problems burn?

Damals mit 15, als meine Essstörung begann, fing ich an zu rennen. Erst nur ab und zu, dann immer öfter, schließlich jeden Tag, 30 Minuten, 60 Minuten, morgens und abends jeweils 60 Minuten [...]

Ich rannte, um jede Kalorie zu verbrennen, die ich aufnahm. Ich rannte, obwohl meine Beine zitterten, obwohl mir oft schwarz vor Augen war, obwohl mein Herz stolperte. Ich rannte, bis mir schlecht war, bis zum Umfallen. Wortwörtlich.

Ich hasste das Rennen. Und gleichzeitig liebte ich es, denn die Zeit in der ich rannte war die einzige Zeit, in der mein Kopf aufhörte mich mit Gedanken zu überfluten. Denn wenn ich rannte, dann war er zu beschäftigt damit, mit dem Stolpern meiner Beine und meines Herzens Schritt zu halten.

Das Laufen wurde für mich zum Zwang. Ich wurde unruhig, wenn ich wusste, dass ich an einem Tag keine Zeit haben würde rennen zu gehen oder zumindest anderen Sport zu machen.
Ich plante meine Tage um das Laufen. Und wenn ich dafür Verabredungen absagen musste, dann war das eben so. Der Sport hatte für mich oberste Prioriät.

Mit dem Zwang stand ich außerdem ständig unter Druck. Ich hatte immerzu Angst, dass ich vielleicht einfach nicht laufen gehen würde, weil mir die Motivation dazu fehlt. Dieser Fall trat nicht ein. Trotzdem wurde die Angst von Tag zu Tag größer.

Selbstverständlich lief ich auch im Urlaub, auf Klassenfahrt, verkatert nach langen Partynächten, wenn ich krank war usw. - egal wie zeitig ich dafür aufstehen musste, egal wie schlecht es mir ging, ich lief immer.
Vielleicht mache ich mal einen Extrapost zu meinen peinlichsten und lustigsten Lauferlebnissen, das würde jetzt hier sonst ausufern ;-)

Von Anderen bekam ich Bewunderung für meine Disziplin und meine scheinbar unerschöpfliche Motivation. Ich bekam Komplimente dafür, wie fit ich wäre. Im Schulsport war ich die Beste im Ausdauerlauf-Test. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich im Schulsport in irgendetwas die Beste. Früher war ich eher die, die bis zum Schluss auf der Bank saß. Auf einmal hatte sich das radikal geändert.
Das alle bestärkte mich darin so weiterzumachen. 

HEUTE  mache ich immer noch viel Sport. Denn ich arbeite neben meinem Studium im Fitnessbereich. Nicht weil mich mein Kopf zwingt, sondern weil ich es liebe. 
Ich trainiere jetzt, weil ich meinem Körper etwas Gutes tun will, nicht mehr, um gegen ihn zu kämpfen. Und ich gebe meinem Körper die Energie, die er dafür braucht.

Es ist immer noch so, dass ich täglich Sport bzw. Bewegung brauche, nur selten mal gar nichts mache.
Obwohl ich weiß wie wichtig Regenerationsphasen für den Körper und den Trainingserfolg sind. 
Allerdings renne ich nicht mehr stundenlang. Ich merke, dass eine Stunde Yoga meinem Körper viel besser bekommt. Ich merke, dass 20-30 Minuten Krafttraining ausreichen. Manchmal laufe ich noch. Jedoch immer seltener. Viel öfter gehe ich jetzt einfach nur spazieren.

Inzwischen freue ich mich auf den Sport. Ich gebe zu, dass ich das Zwanghafte noch nicht völlig losgeworden bin. Aber ich lerne die Stopp-Signale meines Körpers immer besser zu akzeptieren.

Da es für einen Post viel zu viel werden würde, gehe ich demnächst vielleicht nochmal detaillierter auf meinen Weg vom Sportzwang zum Fitnesstrainer ein. Vielleicht schreibt ihr mir auch einfach kurz, ob euch das interessiert oder ob das Thema für euch eher weniger relevant ist :)

Habt einen schönen Restsonntag! 

 


 

3 Kommentare:

  1. Mich würde es interessieren wenn du das nochmal detaillierter aufschreibt! :)

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  2. Mich würde es interessieren wenn du das nochmal detaillierter aufschreibt! :)

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