Samstag, 30. April 2016

#18 Today I'm a Burger King!

Ich habe heute etwas Verrücktes gemacht.
Etwas, wovon mich sonst tausend Ängste abhalten.
ICH HABE EINEN BURGER GEGESSEN!
Und zwar ohne danach vor lauter schlechtem Gewissen in einen Essanfall zu rutschen und OHNE im Vorfeld oder im Nachhinein zu hungern.

Für den Normalo-Esser ist es wahrscheinlich nicht wirklich nachvollziehbar warum das so ein großes Erfolgserlebnis für mich ist. 
Aber ich denke, dass die meisten, die das hier lesen, verstehen wie viel Überwindung es kostet sich an ein Lebensmittel heranzuwagen, welches sonst auf der schwarzen Liste steht.
Irgendwas stimmt mit der Kommasetzung in dem Satz nicht. Das wurmt meine innerer Perfektionistin gerade etwas.
 Mir fällt es generell schon relativ schwer Dinge zu essen, deren Kalorienangaben ich nicht genau weiß. 
Noch schwerer fällt es mir, wenn ich weiß, dass ich etwas esse, das vorher gebraten wurde. Denn grundsätzlich gehe ich ja davon aus, dass dabei automatisch eine Flasche Öl über mein Essen gekippt wird. Mindestens.

Heute habe ich es geschafft die Ölphobie einfach zu ignorieren. Ich habe einen Süßkartoffel-BRATLING(schon das Wort schreit nach Fett)-Burger mit -Achtung, Achtung- einem Weißmehlbrötchen (sonst auch ein absolutes No-Go) gegessen. Und es hat sich gut angefühlt. Es hat sich ein bisschen nach gesund und frei und glücklich und zufrieden sein angefühlt. Es hat sich nach "Ich tu' mir und meinem Körper und meiner Psyche etwas Gutes" angefühlt.

Falls jemand gerade keinen Bock auf Essensbilder hat, (mir geht es jedenfalls manchmal so, dass mich die FoodPorns anderer Leute einfach nur tierischst nerven) - ACHTUNG, jetzt kommt noch ein Foto ;-)

Tadaaa!
 

 








Ich habe eigentlich auch schon länger vor mal einen "Whole Day of Eating" in Form von Fotos zu machen, einfach um mal zu zeigen wie viel ich (ohne zuzunehmen!) esse. Ich selbst finde es nämlich manchmal ganz hilfreich und beruhigend zu sehen was und wie Andere so essen, um ihr Gewicht zu halten. Oft ist es viel mehr als man glaubt essen zu können/dürfen/whatever.
Bisher scheitert das Vorhaben meistens allerdings schon daran, dass ich früh noch zu müde, vergesslich und zu gestresst bin, um daran zu denken ein Foto von meinem Frühstück zu machen :D

Ich wünsche euch einen schönen Samstagabend!

 

Freitag, 29. April 2016

#17 Sport sucht Potential

Nachdem ich letztens bereits ein wenig über meinen früheren Sport-/Lauf-/Bewegungszwang geschrieben habe, möchte ich jetzt nochmal etwas näher darauf eingehen wie ich den Sportzwang abgelegt (oder immerhin positiv verändert) habe und wie es dazu gekommen ist, dass ich heute als Fitnesstrainerin arbeite.

Quelle: Facebook/FitnessBlender
 Angefangen hat alles mit einer verlorenen Wette vor zwei Jahren, die mich dazu zwang einen Zumbakurs zu besuchen. Zumba und jeglicher Tanzsport standen zu dieser Zeit in meiner "Vergiss es, dafür bist du zu fett"-Liste fast ganz oben, nur Schwimmen war noch übergeordnet.
Ich begab mich also maximal unmotiviert in den Kurs, stand in der hintersten Ecke des Raumes und 60 Minuten später hatte meine Frustrationsskala den Wert 11/10 erreicht. Ich bewegte mich so anmutig wie ein adipöser Schmetterling. 
In diesem Moment wunderte es mich auch nicht mehr, dass mich meine ehemalige Sportlehrerin mit einem Pferd verglichen hatte. Ich gab ihr spätestens jetzt recht. Selbst eine hüftoperierte Seniorin wäre weniger steif gewesen als ich.

Man könnte jetzt denken, dass ich nie wieder einen Fuß in einen Zumbakurs setzte. 
FALSCH. Ich war so frustriert über mein Nicht-Können, dass ich von da an zweimal wöchtentlich den Kurs besuchte. Schneller als gedacht wurde ich besser. 
Und zu meiner Überraschung fing ich bald an mich wirklich auf den Kurs zu freuen. Zum ersten Mal in meinem Leben freute ich mich darauf Sport zu machen.
Das Tanzen half mir enorm, um mich in meinem Körper langsam wieder wohler zu fühlen. Fast jeden Abend übte ich zuhause vor dem Spiegel.

Ein halbes Jahr später machte ich meine Ausbildung zum Zumba-Trainer
Kurz danach zog ich in eine andere Stadt und fand einen Verein, in dem ich meinen ersten eigenen Zumbakurs ins Leben rief. 
Nach und nach kamen weitere Kurse dazu, ich knüpfte Kontakte mit verschiedenen Fitnessstudios und neben Zumba gab ich bald auch diverse Kräftigungskurse.
Inzwischen bin ich seit über zwei Jahren dabei und ich liebe den Job über alles. Ich muss mich nicht mehr zwingen Sport zu treiben, denn ich mache es gern, habe Freude daran mich zu bewegen. Genau das versuche ich auch meinen Teilnehmern mitzugeben.
Trotz aller Sportliebe lebe ich jetzt nicht in einer "Friede, Freude, Fitnesslifestyle" - Welt. So sehr mir das Tanzen auch geholfen hat mein Körpergefühl zu verbessern, die Essstörung ist immer noch da. Und der Zwang täglich Sport zu treiben auch. Zwar mache ich inzwischen gern Sport und ich renne nicht mehr mit Bronchitis durch den Wald. Aber einfach mal ein paar Tage nicht zu trainieren, das ist nach wie vor undenkbar. 
Denn dann nehme ich schlagartig 5kg zu und baue jegliche Muskulatur ab.
 
Inzwischen mache ich neben dem Studium eine Ausbildung zum lizenzierten Fitnesstrainer, um neben dem Kursbereich auch im Studio als Flächentrainerin arbeiten zu können. 
Konkret heißt das: weniger Kurse, weniger Sport, mehr Gewichtszunahmepanik.
Aber es heißt auch, dass ich meiner Essstörung wieder ein Stückchen mehr die Stirn biete.

Ich wünsche euch einen schönen Start ins Wochenende! :)


 
 

Dienstag, 26. April 2016

#16 Gefahrenzonen

Vier Supermärkte, die ich zu Fuß in unter 5 Minuten erreiche.
Fünf Bäcker, Zwei Pizzadienste, eine McDonalds-Filiale, ein Dönerladen und zwei Tankstellen, mit denen ich fast Tür an Tür lebe.
Ich wohne mitten in einem Minenfeld für Essanfall-Anfällige.
An manchen Tagen muss ich sehr genau aufpassen, wenn ich vor die Tür trete. Muss aufpassen, dass sich meine Füße nicht verselbstständigen und auf einmal vor dem Süßwarenregal von Supermarkt 1,2,3 oder 4 zum Stehen kommen. 
Ich muss aufpassen, dass meine Finger nicht ausversehen die Nummer vom Pizzaservice ins Telefon tippen und mein Auto mich nicht plötzlich in den McDonalds Drive-In navigiert.

In kritischen Momenten sitze ich oft auf meinem Sofa und denke darüber nach, wie leicht es wäre jetzt dem Ess-Brech-Druck nachzugeben. Wie leicht es wäre eine Runde über das Minenfeld zu schlendern.
Und manchmal gehe ich tatsächlich los, weil ich keine Lust habe auf dem Sofa zu sitzen und stark zu sein und zu kämpfen und Way-Out Strategien, Ablenkungs-Skills und Kopfkino-Kontrollmechanismen anzuwenden. Manchmal bin ich einfach zu müde zum stark sein.
Aber manchmal, immer öfter, schaffe ich es unbeschadet zu bleiben, mitten in meiner selbsternannten Gefahrenzone. Dann bleibe ich einfach auf meinem Sofa hocken und versuche mit meinem Kopf ins Geschäft zu kommen. Biete ihm eine gesunde Alternative zu seinen Junkfoodzuckerpizza-Cravings an.
Manchmal, immer öfter, lässt er sich darauf ein.
Darauf, sich mit mir zu verbünden.
Darauf, mir etwas Gutes zu tun.
 
 
 

Sonntag, 24. April 2016

#15 How many calories does running away from your problems burn?

Damals mit 15, als meine Essstörung begann, fing ich an zu rennen. Erst nur ab und zu, dann immer öfter, schließlich jeden Tag, 30 Minuten, 60 Minuten, morgens und abends jeweils 60 Minuten [...]

Ich rannte, um jede Kalorie zu verbrennen, die ich aufnahm. Ich rannte, obwohl meine Beine zitterten, obwohl mir oft schwarz vor Augen war, obwohl mein Herz stolperte. Ich rannte, bis mir schlecht war, bis zum Umfallen. Wortwörtlich.

Ich hasste das Rennen. Und gleichzeitig liebte ich es, denn die Zeit in der ich rannte war die einzige Zeit, in der mein Kopf aufhörte mich mit Gedanken zu überfluten. Denn wenn ich rannte, dann war er zu beschäftigt damit, mit dem Stolpern meiner Beine und meines Herzens Schritt zu halten.

Das Laufen wurde für mich zum Zwang. Ich wurde unruhig, wenn ich wusste, dass ich an einem Tag keine Zeit haben würde rennen zu gehen oder zumindest anderen Sport zu machen.
Ich plante meine Tage um das Laufen. Und wenn ich dafür Verabredungen absagen musste, dann war das eben so. Der Sport hatte für mich oberste Prioriät.

Mit dem Zwang stand ich außerdem ständig unter Druck. Ich hatte immerzu Angst, dass ich vielleicht einfach nicht laufen gehen würde, weil mir die Motivation dazu fehlt. Dieser Fall trat nicht ein. Trotzdem wurde die Angst von Tag zu Tag größer.

Selbstverständlich lief ich auch im Urlaub, auf Klassenfahrt, verkatert nach langen Partynächten, wenn ich krank war usw. - egal wie zeitig ich dafür aufstehen musste, egal wie schlecht es mir ging, ich lief immer.
Vielleicht mache ich mal einen Extrapost zu meinen peinlichsten und lustigsten Lauferlebnissen, das würde jetzt hier sonst ausufern ;-)

Von Anderen bekam ich Bewunderung für meine Disziplin und meine scheinbar unerschöpfliche Motivation. Ich bekam Komplimente dafür, wie fit ich wäre. Im Schulsport war ich die Beste im Ausdauerlauf-Test. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich im Schulsport in irgendetwas die Beste. Früher war ich eher die, die bis zum Schluss auf der Bank saß. Auf einmal hatte sich das radikal geändert.
Das alle bestärkte mich darin so weiterzumachen. 

HEUTE  mache ich immer noch viel Sport. Denn ich arbeite neben meinem Studium im Fitnessbereich. Nicht weil mich mein Kopf zwingt, sondern weil ich es liebe. 
Ich trainiere jetzt, weil ich meinem Körper etwas Gutes tun will, nicht mehr, um gegen ihn zu kämpfen. Und ich gebe meinem Körper die Energie, die er dafür braucht.

Es ist immer noch so, dass ich täglich Sport bzw. Bewegung brauche, nur selten mal gar nichts mache.
Obwohl ich weiß wie wichtig Regenerationsphasen für den Körper und den Trainingserfolg sind. 
Allerdings renne ich nicht mehr stundenlang. Ich merke, dass eine Stunde Yoga meinem Körper viel besser bekommt. Ich merke, dass 20-30 Minuten Krafttraining ausreichen. Manchmal laufe ich noch. Jedoch immer seltener. Viel öfter gehe ich jetzt einfach nur spazieren.

Inzwischen freue ich mich auf den Sport. Ich gebe zu, dass ich das Zwanghafte noch nicht völlig losgeworden bin. Aber ich lerne die Stopp-Signale meines Körpers immer besser zu akzeptieren.

Da es für einen Post viel zu viel werden würde, gehe ich demnächst vielleicht nochmal detaillierter auf meinen Weg vom Sportzwang zum Fitnesstrainer ein. Vielleicht schreibt ihr mir auch einfach kurz, ob euch das interessiert oder ob das Thema für euch eher weniger relevant ist :)

Habt einen schönen Restsonntag! 

 


 

Mittwoch, 20. April 2016

#14 Nur ein Laster

Mein Dad sagt, dass meine Essstörung ein Laster ist. 
So wie Andere eben gelegentlich zu viel Alkohol trinken oder rauchen, so hätte ich halt meine Probleme mit dem Essen. Er kennt das ja selbst aus Studienzeiten, es gibt manchmal eben Phasen, in denen man gestresst ist und ein Laster entwickelt. Aber das vergeht von selbst wieder.
Mein "Laster" und meine "Phase" feiern im Sommer ihr 5-jähriges Jubiläum. Beide weigerten sich bisher von selbst zu vergehen.

Mein Dad sagt, dass ich doch so viel Sport mache und gesund esse, da bräuchte ich keine Angst haben dick zu werden. Und ob nun 5kg mehr oder weniger, das mache doch keinen Unterschied. Sieht man eh nicht.
Doch, ICH sehe das sehr wohl! Und 5kg machen  einen gewaltigen Unterschied!
Ich sage, dass es um viel mehr geht, als um die Angst vor dem Gewicht. Dass das nur das Symptom ist. 
Für tieferliegende Ursachen. Tiefer als temporärer Studiumsstress. 

Mein Dad sagt, dass ich einfach nur mehr Entspannung bräuchte. Um den Studiumsstress zu reduzieren, den er ja nun als Grund für mein Problem ausgemacht hat.
Wohlgemerkt: Er weiß, dass ich eine Essstörung habe seit ich 15 bin. Mein Studium habe ich mit 20 begonnen und by the way, es stresst mich nicht mal besonders. Wo liegt der Fehler?   
Früher wäre ich doch gern mit ihm ins Thermalbad gefahren. 
Haha, ernsthaft? Aktivitäten in Badebekleidung sind so ziemlich das Letzte, was mich entspannt. 

Mein Dad sagt, auf meine diesbezüglichen Überlegungen hin, dass er nicht glaubt, dass eine ambulante Therapie viel bringt. Und ein Klinikaufenthalt schon gar nicht. Denn was sollen die schon groß machen, außer reden?

Mein Dad sagt nichts, wenn ich die Panade von meinem Blumenkohl entferne. Wenn ich die Butterkartoffeln sorgfältig mit der Serviette abwische. Oder wenn ich mein Müsli auf's Gramm genau abwiege.
Er sagt nichts, wenn wir vor dem zehnten Restaurant stehen und wieder weitergehen, weil ich auf der Karte nichts finde, was mir passt.
Er sagt nichts, weil er nicht kann.

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Lange Zeit hat es mich unglaublich verletzt, wütend und traurig zugleich gemacht, dass mein Dad so wenig Verständnis und Einfühlungsvermögen zeigt. Dass er von sich aus nie nachfragt wie es mir geht. Wirklich geht.
Ich habe immer gehofft, dass er mir helfen und mich unterstützen wird, wenn ich ihn ins Boot hole. Immerhin hat mich das eine Menge Überwindung und einen großen Vertrauensvorschuss gekostet.

Heute weiß ich, dass es nicht an mir liegt. Dass es nicht sein Desinteresse ist, sondern seine mangelnde Empathie. Seine Unfähigkeit über Gefühle zu reden. 
Heute weiß ich, dass ich es nicht persönlich nehmen muss. Dass nicht ich das Problem bin. Sondern er selbst.

So oft habe ich, wenn ich enttäuscht von den (Nicht)reaktionen meines Dads war, diese Enttäuschungen mit der Essstörung ausgedrückt.  
Die Wut, den Ärger gegen ihn, all das habe ich gegen mich gerichtet.
In der Hoffnung auf Rettung.

Heute weiß ich, dass nur ich selbst mich retten kann. Und dass man mit Erwartungen an Andere vorsichtig sein sollte, wenn man dazu neigt Enttäuschungen im Klo herunterzuspülen.

Letztendlich zerstört man mit der Essstörung weder die Enttäuschung, den Ärger, die Verletzungen, noch die Traurigkeit. 
Letztendlich zerstört man sich nur selbst. 
Die Essstörung ist nur ein Betäubungsmittel auf Zeit.
Irgendwann wird es nicht mehr wirken.
Die Nebenwirkungen werden überwiegen.
Und man wird sich fragen, warum man nicht aufgehört hat.
Hier und jetzt und heute.

 


 
 
 

Montag, 18. April 2016

#13 Irgendwann ist jetzt

Irgendwann muss man sich entscheiden. 
Für das Leben.
Oder den Tod auf Raten.
Irgendwann ist jetzt.
Denn sonst ist es irgendwann zu spät, um die besten Jahre des Lebens zu leben.
Und irgendwann, irgendwann kommt das Ende. 
Nicht heute. 
Nicht morgen. 
Aber dann.
Übermorgen. 
Wird man sich fragen, warum man nicht gelebt hat. In all den Jahren, in denen man zu beschäftigt war.
Mit seinem Selbsthass.
Man wird sich fragen, warum man sie so verschwendet hat, die Zeit.

Aber dann, irgendwann, wird es zu spät sein, um sie zurückzudrehen.

Heute mal als Einleitung ein kleines Plädoyer für ein essstörungsfreies Leben :)

Ich würde jetzt so gern schreiben, dass ich nach dem gestrigen Rückfall wieder voller positiver Energie zurück auf den richtigen Weg gefunden habe. 
Aber, manche kennen es vielleicht aus eigener Erfahrung, positive Energie ist leider so ziemlich das Letzte, was man nach einem Binge-Purge-Abend verspürt.
Kurz und knapp, heute also noch ein zweiter, immerhin aber nur kleiner Rückfall.
Ich versuche trotzdem gelassen zu bleiben. Mir keine Vorwürfe zu machen
Denn was bringt mir das? Gar nichts. Nur noch ein bisschen mehr Selbsthass. Und einen weiteren Anlass für weitere Rückfälle.
Inzwischen fühle ich mich wieder um einiges optimistischer. Keine Ahnung warum. Vielleicht, weil mich jeder Rückfall erneut bestätigt, dass sich der lange Kampf gegen die Essstörung lohnt.
Wenn ich das lese klingt es verrückt, so als ob ich Rückfälle brauche, um motiviert zu bleiben. Aber vielleicht ist das anfangs normal?
Manchmal stoße ich in Foren oder so auf Posts von essgestörten Frauen, die 30,40,50 Jahre alt sind. Das macht mir Angst, den ICH WILL NICHT MIT MEINER ESSSTÖRUNG ALT WERDEN! Oder, noch schlimmer, jung sterben.
Einer guter Grund also, um JETZT der Essstörung den Kampf anzusagen!
 

Sonntag, 17. April 2016

#12 Aus Fehlern lernt man. Oder man macht sie immer wieder.

Bei mir wäre dann Zweiteres der Fall.
Habe ich ernsthaft geglaubt, dass es gut geht, wenn ich mir einen großen Becher Ben&Jerrys kaufe?
Nein, eigentlich nicht.
Habe ich wirklich gedacht, dass ich nur ein bisschen was von dem Eis esse?  
Irgendwie schon, ja. Weil es gerade so gut lief.
Falsch gedacht. Irgendwie sollte ich doch nach all den Jahren mal gelernt haben, dass ich mir Triggerfood NICHT einteilen kann. Dass ich es folglich nicht kaufen sollte, wenn ich Rückfälle vermeiden will. 
Und trotzdem tappe ich immer wieder in die Falle, die mir Fräulein Übermut stellt, wenn es gerade ganz gut läuft. Ich lasse mir von ihr einreden, dass ich jetzt so weit bin, dass ich nicht mehr alles auf einmal essen muss. Dass ich genießen und einteilen kann. Dann ziehe ich todesmutig los, kaufe worauf ich eben gerade Appetit habe.
Doch sobald ich dann zuhause bin, ist Fräulein Übermut auf einmal ganz kleinlaut. Da ist sie nicht mehr so sicher, ob das mit dem gemäßigten Genießen so klappt wie sie gedacht hatte. 

Natürlich habe ich es NICHT geschafft nur ein bisschen was von dem Eis zu essen. Und natürlich hatte ich auch keine Lust mein Gewissen mit 1500 Extra-Kalorien zu belasten, an die ich aus lauter Fehler-Lern-Unfähigkeit geraten war. Wozu auch, wenn es doch eine so einfache Möglichkeit* gibt das Gewissen wieder zu beruhigen.

* Falls sich jetzt jemand animiert fühlt die "einfache Möglichkeit" auszuprobieren-ich könnte da mit einer langen Liste der körperlichen Folgeerscheinungen kurz-,mittel-und langfristig dienen. Dies ist also KEINE BEFÜRWORTUNG des selbstinduzierten Erbrechens, sondern schlichtweg Sarkasmus.

Letztendlich war das Eis dann also nur mal kurz zu Besuch in meinem Magen, bevor es mit dem Betätigen der Spülung mein Badezimmer verließ. Schade eigentlich. 
Denn es war echt lecker.

Ich versuche diesem Rückschlag nicht zu viel Bedeutung zuzumessen. Denn tendentiell stimmt die Richtung, in die ich aktuell gehe. Und morgen gehe ich weiter.
 Am liebsten würde ich morgen einfach wieder Hungern und diesen ganzen Quatsch von wegen ausreichend essen abblasen. Werde ich aber nicht!
Rückschläge gehören dazu. Wichtig ist, dass man sein Ziel trotzdem vor Augen behält <3

 
 

Samstag, 16. April 2016

#11 Kotztipps

Eine Sache, die mich einfach nur immer wieder wütend und fassungslos macht und die ich nicht wirklich verstehen kann: Kotztipps im Internet.
Man gibt das Wort einfach nur in die Suchmaschine ein und schon stößt man auf verschiedenste Seiten, die ein Step-by-Step-Anleitung präsentieren.
Warum tut man sowas?
Ich denke, dass eigentlich jedem, der absichtlich erbricht klar ist, dass das keine gesunde und erstrebenswerte Verhaltensweise ist. Im Gegenteil, es ist Selbstmord auf Raten. Ein "Suizid-Tutorial". Wie kann man also wollen, dass Andere in genau den gleichen Teufelskreis gelangen wie man selbst?
Hat das was mit Selbstdarstellung á la "Seht her wie gut ich kotzen kann!" zu tun? Oder sind manche vielleicht stolz darauf, dass sie besonders effizient und lautlos ihr Essen wieder loswerden können und jeden noch so kranken Trick kennen? Ist "Effective Purging" vielleicht eine Art Königsdisziplin, in der die ständige Verbesserung der Technik ein Grund zum Freuen ist?

Ich weiß es ehrlich nicht. Und ja, ich gebe zu, dass ich früher selbst oft nach solchen Tipps gesucht habe. Denn natürlich ist man gerade anfangs verzweifelt, weil es nicht so einfach klappt wie man denkt. Und man ist dankbar für die vielen guten Anregungen.

Allerdings wäre und würde ich niemals auf die Idee kommen selbst "Tipps" (eigentlich ein viel zu positives Wort dafür) weiterzugeben  oder in irgendeiner Weise selbstinduziertes Erbrechen zu befürworten. Denn egal wie tief ich in der Essstörung drin war, mir war immer bewusst, dass ich mich damit kaputt mache. Ich war nie stolz auf neue Methoden zum Erbrechen. Es hat mir vielmehr Angst gemacht über welche Grenzen ich dabei gehe. 

Traurig finde ich auch, dass in Büchern und Videos, die dem Weg aus der Essstörung dienen sollen, oft unachtsam mit Details umgegangen wird. Gerade als ehemals Betroffene(r) sollte man doch wissen, wie schnell detaillierte Beschreibungen des Brechvorgangs als Anleitung verstanden werden.

Was ist eure Meinung dazu? Und findet ihr, dass man die "Pro Ana-Tipps" und "Kotztipps" auf eine Stufe stellen kann? Das überlege ich nämlich gerade ;-)

Habt noch einen schönen Samstag!

Donnerstag, 14. April 2016

#10 "Sharing your weakness doesn''t make you weak, it makes you human."

Vorgestern bin ich bei meinem morgendlichen Facebook-Check über eine Geschichte gestolpert, die mich echt beeindruckt und berührt hat.

Vielleicht kennt ja der Ein oder Andere die Website oder die Workout-Videos von Fitness Blender. Wer es nicht kennt, dem kann ich es, by the way, echt empfehlen mal vorbeizuschauen. Im Gegensatz zu all den 10-Wochen-oder-so-Programmen sind die Videos und Tipps hier nämlich komplett kostenlos und trotzdem richtig gut.

Jedenfalls bin ich auf die Geschichte von Kelli gestoßen, die zusammen mit ihrem Mann (oder Freund? keine Ahnung ob die beiden verheiratet sind) hinter Fitness Blender steht. 
In einem Video spricht sie über ihre jahrelange Essstörung, die sie erst überwunden hat, als sie mehr gegessen und weniger Sport gemacht hat. Interessant fand ich auch, dass sie schreibt, dass sie heute 2500-3200kcal am Tag isst. Mich beruhigt das irgendwie, wenn ich das lese und sehe, dass sie trotzdem/gerade deswegen schlank ist. Und dass der Körper eben nicht nur von 1500 Kalorien-Tagen überleben kann, auch wenn das an jeder Ecke propagiert wird.

Ich finde es total stark und sympathisch, dass sie diese Seite von sich zeigt. Gerade im Video merkt man wie schwer es ihr fällt darüber zu reden, toll dass sie es trotzdem getan hat.

Wer die ganze Story möchte:
 https://www.fitnessblender.com/blog/my-before-and-after-story-how-i-lost-40-lbs-and-beat-my-eating-disorder-
 

Sonntag, 10. April 2016

#9 Intuitive vs. Structured Eating

In letzter Zeit bin ich immer häufiger über Artikel, Bücher und Blogs zum Thema "Intuitiv Essen" gestolpert. 
Das Konzept ist ziemlich simpel: Essen wenn man Hunger hat, aufhören wenn man satt ist, es gibt keine verbotenen Lebensmittel. Auf diese Weise soll es möglich sein aus dem Hunger-Fress-Teufelskreis auszusteigen und langfristig schlank zu bleiben, ohne ewig zu verzichten. Also eigentlich genau das, was ich erreichen will, deshalb entschloss ich mich es auszuprobieren. Ich stellte mich darauf ein vielleicht auch erstmal etwas zuzunehmen, vielleicht anfangs etwas mehr zu essen als nötig. Schließlich muss ich erst wieder lernen was es heißt 'normal' zu essen und das braucht seine Zeit.
 Ich war hochmotiviert, wie schon so oft. Doch am zweiten Tag musste ich mir eingestehen-Ich habe jegliche Intuition für normales Essen verloren.
Den Hunger wahrnehmen, das hat noch ganz gut geklappt. Aber am Sättigungsgefühl ist es dann gescheitert. Dadurch, dass ich bei Essattacken WIRKLICH KRASSE MENGEN essen kann (und ich rede hier nicht von einer Pizza und einer Tafel Schokolade), ist der Sättigungspunkt bei mir wohl ziemlich verschwunden. Heißt, ich habe wirklich den ganzen Tag heftig durchgecheatet. Um es mal positiv auszudrücken.

Mein Fazit: 
Grundsätzlich finde ich das Konzept "Intuitive Eating" toll, denn im Gegensatz zum Structured Eating geht es hier darum wieder ein Gefühl für die Bedürfnisse des Körpers zu entwickeln und sich nicht nach einem Plan zu richten . Für mich habe ich allerdings gemerkt, dass es mich aktuell noch überfordert so viel Kontrolle abzugeben. Ich kann meinem Körper noch nicht wieder so sehr vertrauen und außerdem glaube ich, dass die Ess-Bedürfnisse heutzutage auch sehr durch die ganzen verarbeiteten Lebensmittel verfälscht werden. Da besteht meiner Ansicht nach (zumindest für mich) eine große Gefahr ins Binge Eating zu rutschen.

Aktuell bin ich also wieder, wie schon zuvor, mehr beim Structured Eating gelandet, denn ich brauche es momentan noch, dass ich -zumindest grob- plane, was ich über den Tag essen, wann ich esse, wieviel ich esse. Was ich aber vom intuitiven Essen beibehalten habe ist, dass ich versuche IMMER zu essen wenn ich Hunger habe. Das fällt mir zugegebenermaßen oft noch schwer, aber ich merke, dass es mir gut tut, ich dadurch mehr Energie habe und weniger Heißhunger.

Hat jemand Erfahrungen mit intuitivem Essen? Oder habt ihr noch andere Ansätze, um ein normales Essverhalten zurückzugewinnen?

Ich wünsche euch noch einen entspannten Sonntag :)  


 

Samstag, 9. April 2016

#8 Was, wenn...

Was, wenn ich aufhöre an Zahlen festzuhalten?
An Zahlen, die mir einen Rahmen geben, aus dem ich nicht fallen kann.

Was, wenn ich anfange an mich selbst zu glauben anstatt an die Zahl auf der Waage?
Ist das woran ich dann glaube stabil genug, um mich zu tragen? Oder bin ich untragbar?

Was, wenn ich jetzt abspringe von dem Zug, in den ich vor so langer Zeit eingestiegen bin? Wer oder was fängt mich dann auf, damit der Zug mich nicht überfährt?


Ja, ich habe verdammt große Angst davor die Essstörung loszulassen
Aber noch viel mehr graut es mir davor mein Leben mit ihr zu verbringen.

Dienstag, 5. April 2016

#7 Wenn Alkohol keine Kalorien hätte...

...dann würde ich mich gerade richtig gern betrinken.

Tut mir Leid, eigentlich soll der Blog hier positive "Goodbye Essstörungs"-Vibes vermitteln, aber mein Leben sitzt gerade bockig in der Ecke und hat keine Lust mich dabei zu unterstützen.

Und ohne jetzt jammern zu wollen, aber irgendwie ist es doch auch echt zum verrückt werden: Da bin ich hochmotiviert nicht zu hungern, nicht zu kotzen, mir nicht sonst irgendwie zu schaden und mit meinen Gefühlen irgendwie anders umzugehen. Ich gebe mir richtig Mühe und es läuft gut an.
Und dann kommt mein Leben wie aus dem Nichts angerannt und schneidet nacheinander all die dünnen Fäden durch, die mich halten. Abhalten davon, mich wieder in der Essstörung zu verlieren.

Auf einmal sind da wieder tausend Baustellen. In der Uni, im Job, im Privatleben. Ich lasse die Details jetzt weg, weil ich nicht wüsste wo ich anfangen sollte.

Neben all den Baustellen soll ich nun weiter aufpassen, dass mich der nächste Windstoß nicht vom wackeligen Recovery-Gerüst fegt.
Haha, als ob ich so leicht wäre, dass mich ein Windstoß wegfegen könnte.
Halt, hat er schon. Weil ich so clever war mich an fast vergessene Osterschokoladenreste zu erinnern. Und an das Nutellaglas im Schrank. Es tut mir definitiv nicht gut allein in der Wohnung meines Papas zu übernachten. Viel zu viel Triggerfood.
Gerade in den Spiegel geschaut, ich habe Angst vor der Waage morgen.
 Ja, wiegen ist nicht gut fürs gesund werden. Aber ich brauche die Kontrolle noch zu sehr.
Und Angst vor den nächsten Tagen. Ich versuche trotzdem optimistisch zu bleiben&die Tage wirklich mal was positives zu posten :)

Gute Nacht ihr Lieben!
 

Samstag, 2. April 2016

#6 All you can cheat

"All you can eat"- Buffet-Restaurants.
Ich glaube, das ist einer der größten Härtetests für alle, die in irgendeiner Form zum Über(fr)essen neigen, oder?

Heute Abend war ich mit einer Freundin also in so einem Restaurant. Ich hatte mir ganz fest vorgenommen den Abend und die Gesellschaft zu genießen. Keine Kalorien zu zählen. Mir mal etwas zu gönnen.

Das Positive an Buffetessen ist ja, finde ich, dass man selbst in der Hand hat was man isst und was nicht. Bei á la carte-Gerichten weiß man schließlich nie genau wo sich Kalorien verstecken, mit denen man gar nicht gerechnet hat. Wenn man also eine gute Selbstkontrolle besitzt, ist Buffetessen was Tolles.

Selbstkontrolle und Überessen gehen aber meistens nicht Hand in Hand. Spätestens dann nicht mehr, wenn sie am Dessertbuffet vorbeilaufen.
ICH LIEBE KUCHEN, GEBACKENE BANANE, KOKOSNUSSEIS UND SESAMBÄLLCHEN UND KÖNNTE DAS GANZE BUFFET LEER ESSEN.

Glücklicherweise habe ich keine krassen Fressflashs, wenn ich in Gegenwart anderer Menschen bin. Aber trotzdem habe ich ein bisschen am Dessertbuffet zugelangt. Und als ich dann zuhause war, habe ich doch versucht die Kalorien zumindest grob zu tracken. Allerdings bin ich so schlecht im Einschätzen von Mengen bzw. dem Gewicht von Lebensmitteln, dass ich bestimmt kilometerweit danebenliege.

Die App trackt mir nun ganze 1500kcal ! - für eine Mahlzeit.
Kann nur hoffen, dass ich ganz schlecht geschätzt habe. Denn bis auf den Dessertausrutscher hatte ich hauptsächlich Gemüse. Ein paar Garnelen. Drei Bissen Lachs. Etwas Reis. Ein Sushiröllchen. Aber gut, das summiert sich halt. Und woher weiß ich wieviel Öl der Koch beim Anbraten von meinem Gemüse in die Wokpfanne gekippt hat?

Egal, abhaken. Kein Grund sich schlecht zu fühlen. Denn das Gute ist, dass es zwar vielleicht zu viel war, aber ich hatte KEINEN ESSANFALL, auch nicht danach, als ich allein war. Ich habe es geschafft mir Dinge zu ERLAUBEN, ohne in die "Jetzt ist es eh egal"-Schiene zu rutschen. Und ich hatte einen schönen Abend in angenehmer Gesellschaft. So, Schlechtes Gewissen, da hast du's.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine Gute Nacht!

 

Freitag, 1. April 2016

#5 Therapietief

Manchmal habe ich das Gefühl, dass meine Therapeutin genervt ist von mir.
Von meinen Nicht-Fortschritten.
Von meinen ewigen Hochs und Tiefs.
Von meiner Unfähigkeit nicht immer wieder ins Hungern zu rutschen, obwohl ich doch weiß, dass jede Hungerphase in einer Fressphase mündet.

Sie sagt mir, dass ich einfach mal keine Kalorien mehr zählen soll. Dass ich einfach mal nicht mehr wiegen soll, weder mich noch mein Essen. Und dass ich einfach mal nicht mehr so viel Sport machen soll. Ich soll einfach mal loslassen. Mir vertrauen. Ich soll einfach mal auf meinen Körper hören.
Ja, nur mein Körper redet schon lange nicht mehr mit mir und ich kann es ihm nichtmal verdenken!

Aber was mache ich, wenn ich mit all dem aufhöre? Wo finde ich stattdessen Halt?
Das kann sie mir dann auch nicht konkret beantworten, stattdessen höre ich von ihr immer und immer wieder eine Auswahl aus dem S-Wörter Katalog - Selbstwert, Selbstfürsorge, Selbstliebe, Selbstsicherheit, Selbstwasauchimmer.  
Bisher hat sie allerdings nicht verraten wie ich die ganzen Selbst-Sachen herbeizaubere.Und deshalb zähle, wiege, hungere und breche ich eben immernoch.

Und ja, auch ich würde lieber größere und schnellere Erfolge sehen. Ja, ich bin auch manchmal, sogar sehr oft genervt von mir. Aber nach fünf Jahren Essstörung ist "einfach mal nicht mehr..." eben nicht mehr einfach so möglich.

Ich möchte noch kurz anmerken, dass es generell ein Problem von mir ist, dass ich schnell das Gefühl habe, Andere zu nerven, ihre Erwartungen zu enttäuschen, etc. Kann also gut sein, dass ich hier auch nur wieder einen meiner üblichen Filme schiebe und meine Therapeutin der geduldigste Mensch on earth  ist ;-)