Mittwoch, 29. Juni 2016

# 38 Ernährungsberatung III - Lifelines

Mich beschleicht immer mehr das Gefühl, dass meine Ernährungsberaterin tausendmal mehr Durchblick beim Thema Essstörungen hat, als meine Therapeutin.
Ich fühle mich nach den Terminen bei ihr im Gegensatz zu den Therapiestunden wesentlich optimistischer und weniger absturzgefährdet. Sobald ich die Praxis meiner Therapeutin verlasse, kann ich darauf warten, dass ich ins nächstebeste Loch falle. Und ja, ich weiß, dass das ein Stück weit normal ist. Anfangs. Aber anfangs ist nun schon lange vorbei. Anfangs war vor fast einem Jahr.

Meine Lifeline. Man erkennt nur leider nix :D             

Jedenfalls habe ich heute mit der Ernährungsfrau meine Essstörungs-Lifeline rekonstruiert. Ist nicht so, dass ich solche Lifelines nicht schon zigmal gemacht hätte. Zum ersten Mal hatte ich aber das Gefühl, dass ich diese Lifeline mit Jemandem mache, der sie auch versteht. 
Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass jemand versteht, dass man eine Essstörung eben nicht so einfach mit ein paar Notfallstrategien abschaltet.


Eigentlich war das heute meine letzte Sitzung.
Uneigentlich darf ich aber noch ein bisschen weiter zu ihr gehen. Obwohl die Kasse nicht mehr bezahlt als eben 5 Sitzungen. Das finde ich echt nett, ist schließlich nicht selbstverständlich, dass sie sich unbezahlt engagiert. 
Ich hoffe so sehr, dass das Ganze mehr bringt als die Therapie.

 


Dienstag, 28. Juni 2016

#37 Forever 21

Erwähnte ich, dass Geburtstage bei mir immer eine sichere Quelle für negative Ereignisse sind?
Obwohl ich dieses Jahr extra nach Berlin geflohen bin, war ich wohl noch nicht weit genug weg, um komplett verschont zu bleiben.

Immerhin, dieses Jahr keine Reallife-Katastrophen. 
Nur eine Nachricht von meiner Mum, die förmlicher nicht hätte sein können. 
"Alles Gute zum Geburtstag, viele Grüße von x und y"
Gut, ich sollte das einfach positiv sehen. Sie hat es zumindest nicht vergessen. Und vielleicht ist ein Anruf auch zu viel erwartet. Oder ein paar Worte, die mehr sagen als jede beliebige Glückwunschkarte. 

Später eine zweite Nachricht, von einer Freundin. Einer früheren Herzensfreundin, die verloren gegangen ist, als sich unsere Lebenswege in verschiedene Richtungen entwickelten. 
Kurzer Tränenausbruch in der S-Bahn, weil ich sie noch immer so sehr vermisse und nie verstanden habe warum unsere Verbindung wie aus dem Nichts weg war. 
Auch von ihr ein paar ähnliche Floskelworte.
Schon allein das Schreiben gerade macht mich wieder unendlich traurig. nichtdarandenkendaslebengehtweiterauchmiteinerherzensfreundinweniger.  

Ansonsten war es einfach komisch. Komisch, den Tag mit fremden Leuten zu verbringen in einem viel zu warmen Raum mit viel zu viel Kleidung am Körper. Denn lieber schwitze ich mich im Sommer zu Tode, als eine kurze Hose auch nur in Betracht zu ziehen.

Kleines Highlight: Abendessen mit meiner Cousine, in einem kleinen Restaurant irgendwo in Berlin. Es war so klein, das gar kein Platz mehr frei war für meine Essstörung. Die musste draußen angeleint werden, somit habe ich also einfach mal keine Kalorien gezählt.
Ein Fortschritt.

Gestern und heute dafür Rückfälle. Vor lauter Zukunftsangst und Nicht-wissen-was-ich will. Was, und vorallem wohin.
Weil mir mein Kopf zu laut war, habe ich ihm einfach den Mund gestopft. Und weil ich mit meinem Geld nichts besseres anzufangen weiß, natürlich mit Ben&Jerry Luxuseis.
Ein Rückschritt.

Ich überlege, ob es gut ist in Fortschritte und Rückschritte zu teilen-oder fahre ich damit nur mein Schwarzoderweiß aka Gutoderschlecht - Muster fest? 

Donnerstag, 23. Juni 2016

#36 Berlin my Love & kleines Allgemein-Update

Morgen fahre ich übers Wochenende nach Berlin.
Eigentlich ein Grund zum Freuen, Berlin ist eine meiner liebsten Städte.
Nur gerade ist mir gar nicht nach wegfahren, zumal ich beide Tage auf einem Lehrgang sein werde und daher wenig Raum für Entspannung bleibt, die ich eigentlich dringend bräuchte.Aber gut, selbst schuld.

Am Samstag habe ich Geburtstag. Ich hasse es Geburtstag zu haben, kommt bei mir direkt an zweiter Stelle nach den Weihnachtstagen (und auch da werde ich dieses Jahr fliehen&verreisen). 
Eigentlich fahre ich nur deshalb an genau diesem Wochenende weg, denn die letzten Jahre war mein Geburtstag immer prädestiniert für irgendwelche Katastrophen. Ungeschlagen auf Platz 1 ist dabei mein 18.Geburtstag, an dem ich die sinnige Idee hatte meinen Dad mit seinen Affären bzw. meinen Nachforschungen dazu zu konfrontieren. Kam richtig gut an.

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SONST SO:
Ansonsten fühle ich mich gerade ziemlich unwohl und fett, obwohl ich seit über einer Woche kein Binge&Purge-Gelage hatte. Aber nach einer gewissen Zeit in der ich ausreichend esse, fange ich immer an mich fett zu fühlen, auch wenn es objektiv gesehen gar nicht zu viel ist. 
Heute zu Beispiel: 3 Stunden Sport, ca. 2500kcal und ich fühle mich fettfettfetteramfettesten. Dabei gibt es keinen Grund. 

Keinen.einzigen.verdammten.Grund.

Morgen kommt meine Therapeutin aus dem Urlaub zurück, sie hat mir angeboten, dass ich sie anrufen kann, wenn ich das möchte. Möchte ich? Keine Ahnung.

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Falls ich in Berlin Internet auf meinem Zimmer habe, werde ich vielleicht ein paar Zeilen aus der Hauptstadt bloggen; falls nicht, dann wünsche ich euch ein sonniges Wochenende! 
Ich hasse dieses eklig warme Wetter übrigens ohne Ende, egal wo ich bin, überall springen mich Tigh-Gaps in XXS-Shorts an -.-




 

Sonntag, 19. Juni 2016

#35 Süßstoffentzugs-Versuche und: der Ekel-Award des Tages

So sehr ich mich auch bemühe gesunde, natürliche Lebensmittel zu essen, von einer Sache komme ich nicht los: Süßstoff!
Egal ob Light-Getränke, irgendwelche Fitnessernährungs-Artikel wie Proteinpulver oder -riegel oder Süßstoff im Joghurt, im Müsli, in allem - ich kann echt nicht (mehr) ohne.
Vorallem mit den Getränken ist es in letzter Zeit ein wenig ausgeartet. 

Nun bin ich vor ein paar Tagen über folgendes Buch gestolpert:

 Von dem Autor habe ich schon einmal ein Buch gelesen ("Die Zuckermafia") und das hat mich genug abgeschreckt, um ein paar pseudogesunde Zuckerbomben aus meiner Ernährung zu verbannen. Deshalb dacht ich mir jetzt-Hey, vielleicht klappt es wieder!
Immerhin bin ich ein kleines bisschen hypochondrisch veranlagt und Studien zu Risikofaktoren und möglichen Erkrankungen sind bei mir einfach am Wirkungsvollsten, um was zu verändern-also genau das, was das Buch bereithält.

Gestern habe ich sogar schon fast einen ganzen Tag ohne Light-Getränk geschafft! :D
Dafür kam dann heute auf Arbeit im Fitnessstudio ein kleiner Proteinriegel-Essflash.
Kennt jemand diese Questbars? Gibts die irgendwo? Ich LIEBE sie seit heute abgöttisch!! 

 Teil 2: Der Ekel-Award!

Letztens hatte ich online eine "Nearly Calory Free"-Nutella, Geschmacksrichtung Zimt-Rosine, bestellt. War unglaublich begeistert von meiner Entdeckung, als das Glas geliefert wurde bin ich vor Vorfreude fast gestorben. Ich sah mich schon schuldgefühlfrei auf dem Sofa sitzen und das ganze Ding auslöffeln.
Fail.
Ich mache das Glas auf und finde die Konsistenz  optisch erstmal ansprechend. OHNE VORHER ZU RIECHEN nehme ich also einen großen Löffel - böser Fehler. Ehrlich, ich weiß nicht, ob ich schon jemals sowas Ekliges im Mund hatte. Und mit Ekel & Co kenne ich mich ja aus. Ich war echt nah am nicht-selbstinduzierten Übergeben, was wirklich nicht schnell passiert.



Keine Ahnung was genau da drin ist, es schmeckt auf jeden Fall ganz abartig, nach Chemie und irgendwas Abgestandenem...so sehr detailliert will ich an den Geschmack auch lieber gar nicht zurückdenken! :D
Also, Resümee: NICHT EMPFEHLENSWERT, schade ums Geld.

 


 

Mittwoch, 15. Juni 2016

#34 Home is where your heart is? Home is where I binge.

Sobald ich zuhause bei meinem Dad bin und die Wohnung für mich allein habe, legen sich in meinem Kopf jegliche Schalter um. 
Es ist wirklich so, als würde ich meinen Verstand an der Tür abgeben, sobald ich auch nur den Schlüssel im Schloss herumdrehe. Klick, schon bin ich mal eben 4 Jahre back in time, ich bin wieder 17 Jahre alt, wohne noch zuhause und nutze jede ungestörte Gelegenheit  für einen FA
Ich habe keine Ahnung warum, ob das so eine Art Flashback ist, die mich jedes Mal zurück in meine tiefste Essstörungsphase katapultiert.
Obwohl ich mir nicht mal mehr sicher bin, ob das wirklich meine tiefste Phase war oder ob ich die nicht gerade habe. Egal. 
Vielleicht ist es auch die bloße Verfügbarkeit so vieler "Fear Foods", die bei mir einfach alle Lichter ausgehen lässt.

Jedenfalls war es gestern mal wieder soweit. Ich, allein, in der Wohnung meines Dads. 
Die Wohnung, in der wir mal eine Familie waren, ganz früher.
 Natürlich habe ich mir gesagt, dass es dieses Mal anders wird. Weil ich inzwischen stark genug bin mein Gehirn NICHT an der Tür abzugeben.
HAHAHAHAHA -.-
Das habe ich mir schon öfter gesagt. Es hat bisher nie geklappt. Und gestern auch nicht.
FA von der krassen Sorte gehabt, angefangen Kartoffeln zu bingen, obwohl ich die normalerweise problemlos esse. Weitergemacht mit einem Corny-Riegel und einem Binge-No-Go: Brötchen. Mit Nutella. Selbst wenn ich weiß, dass beides eh wieder den Weg aus meinem Magen findet, fühle ich mich einfach nur SCHLECHT, wenn ich Nutella esse. Ich mag sie nicht mal mehr besonders, seit ich mich daran bei einem Nutella-Wettessen in der 6. Klasse (natürlich habe ich gewonnen:D) hemmungslos überfressen habe. Aber wenn nichts anderes da ist...

... mir ist es zu unangenehm und zu peinlich zu schreiben was noch alles auf die Nutellaorgie folgte. Denn wenn ich einmal angefangen habe mit diesem ganzen Binge&Purge-Mist, dann ist es wie ein Rausch, ich mache einfach weiter und weiter und immernochweiter, bis...ja. Keine Ahnung. Bis ich nicht mehr kann? Bis nichts mehr übrig ist, was bingenswert ist? 

Es fällt mir unendlich schwer das hier zu schreiben, weil ich es so hasse, das Ganze. Weil ich mich so hasse in diesen Momenten. Weil ich mir das immernoch antue, mich immernoch kaputtmache und so dermaßen die Kontrolle verliere. Immernoch, nach all den Jahren.
Warum schreibe ich das dann, wenn es mir so unangenehm ist? Weil es eben die Wahrheit ist. Und die Wahrheit ist nicht immer recoverygetönt.

DER MORGEN DANACH?
Richtig gut. Kurz vorm Verdursten, Kopfschmerzen, aber nicht liegen bleiben können, weil der Job wartet. Außerdem hatte mir mein Dad (der von meiner Essstörung weiß, sie aber wegschweigt) vom Bäcker drei Brötchen und ein Stück KUCHEN!!! Ich liiiiiiiiiiiiebe Kuchen!!! geholt. 
Ich habe ihm so oft gesagt, dass ich NICHT mit Süßigkeiten, Gebäck etc. allein in einem Raum sein kann. Er ignoriert es. Immer, immer, immer wieder.
Vor lauter Ärger darüber habe ich gegessen. 
Alle. 
Drei.
Brötchen.
Und den Kuchen.