Am Montag, nach dem üblichen Wochenstart-Rückfall, fiel es mir irgendwie wie Schuppen von den Augen: Die ganze Zeit habe ich überlegt, warum ich es damals, mit 18, geschafft habe die Essstörung von heute auf morgen abzuschütteln und warum ich diesen Willen, den ich zu der Zeit hatte, jetzt nicht mehr aufbringen kann.
Die ganze Zeit überlege ich, warum ich vor drei Jahren gesund werden konnte und warum ich es aktuell so gar nicht auf die Reihe bekomme.
Ich habe mich am Montag gefragt, was mich damals von Rückfällen abgehalten hat und was mich heute abhält. Und zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich mir wirklich ehrlich geantwortet.
Früher hatte ich in erster Linie wahnsinnige Angst vor den körperlichen Folgen, die damals zugegebenermaßen ausgeprägter waren als heute. Ich hatte Angst mir mein Leben mit der Essstörung zu verbauen und diese Angst war größer, als die Angst vor einer möglichen Zunahme. Deshalb schaffte ich es loszulassen.
Wenn ich die Frage heute beantworte, und zwar wirklich ehrlich, dann hält mich eigentlich am meisten die Angst vor einer Gewichtszunahme von häufigeren Ess-Brech-Gelagen ab. Und genau hier liegt das Problem - ich will gesund werden, aber meine Motivation dafür baut auf einer typischen Essstörungs-Angst auf.
Es ist mir ein Stück weit egal, dass mein Körper und meine Gesundheit leiden, dass ich mich am berühmten 'Morgen danach' so fühle, als hätte ich mich am Vorabend ins Koma getrunken.
Es ist mir egal, weil ich inzwischen ganz gut damit leben kann. Mit der Zeit arrangiert man sich.
Und klar, es wäre auch ganz nett nicht permament körperlich fertig zu sein, aber eben auch nicht mehr.
Als 'ganz nett'.
Damit lässt sich ein aufkommender Rückfall jedoch schlecht blocken. Mit Gewichtsangst hingegen schon.
Warum ich jetzt zu dieser Erkenntnis gleich einen ganzen Post gemacht habe?
Weil ich ehrlich gesagt bis dahin felsenfest überzeugt war, dass ich wirklich gesund werden will. Dass ich mich und meinen Körper und generell mein Leben besser behandeln will. Dass ich lernen möchte mit negativen Gefühlen gesünder umzugehen.
Doch jetzt habe ich festgestellt: ich bin mir selbst auf den Leim gegangen und ich muss der Tatsache ins Auge sehen: Ich verhindere Rückfälle nicht durch irgendwelche neuen Skills, Denkmuster etc., sondern allein durch die ewige, alte Angst vorm Zunehmen.
Großartig.
Hallo mina :)
AntwortenLöschenIch glaube. ... es ist nur natürlich dass du dich momentan so fühlst auch wenn das vielleicht blöd klingt. Du lebst schon so lange damit. Du hast dich daran gewöhnt, es ist vielleicht sogar schon ein Teil der Routine. Es ist so schwer dagegen zu kämpfen. Man resigniert. Die Essstörung ist so groß, so allumfassend,dass sie es Dir unmöglich macht,die Sonne zu sehen.
Und es ist verständlich aber nicht nötig dass du dich dafür fertig machst, dass dein Grund gesund zu werden nicht 'gesund genug'ist. Ich sehe das so: Jeder Grund, egal, wie banal er auch immer erscheinen mag oder wie unklar. ...es ist ein Grund. Und vielleicht trotzdem der Weg in die Gesundheit. Es ist nicht wichtig aus welchen Grund, nur, dass du die Vorhänge aufziehst und die Sonne wieder in dein leben lässt. Du bist es so wert. So sehr mina. Bitte vergiss das niemals.