Dienstag, 8. November 2016

#65 Back here!

Hallo ihr Lieben!
 
Es fühlt sich an, als hätte ich seit Ewigkeiten nicht gebloggt, dabei waren es dem Datum meines letzten Posts nach nur etwa drei Wochen. Oder zwei oder vier, ich bin zu müde, um nachzurechnen.

Ich weiß nicht einmal mehr, was ich beim letzten Mal geschrieben habe und ich habe gerade auch keine Lust es mir nochmal durchzulesen. Wahrscheinlich war es das Übliche.

In den letzten Wochen habe ich weder gebloggt, noch mitgelesen, weil ich viel zu beschäftigt damit war mein Stresslevel so hoch zu halten,dass ich nicht mal mehr Zeit für Ess-Brech-Gelage hatte. Wäre das nicht ein verdammt anstrengende, ungesunde Variante, um die Essstörung abzuschütteln, würde ich sie glatt für immer so beibehalten.
Aber ich kann nicht mein Leben lang 12-Stunden Schichten schieben und vor Erschöpfung den ganzen Tag zittern, oder?

So anstrengend die letzten Wochen auch waren, haben Sie sich doch ganz positiv auf mein Essverhalten ausgewirkt. (Positiv! Essverhalten! In einem Satz!)
Ich habe mehr gegessen und weniger gebingeandpurged, ich liege 1 ganzes kg über meiner imaginären Gewichtsgrenze und halte es trotzdem aus nicht dagegen anzuhungern.
Was nicht heißt, dass ich mich nicht gerade klatschenfett und unwohl fühle.

Ich lese mich jetzt so schnell ich kann wieder in eure Blogs ein und hoffe es geht euch allen einigermaßen gut! :-)  

 

Dienstag, 18. Oktober 2016

#64 Abwesenheitsnotiz // Kleine Erfolge

Es tut mir Leid, dass ich aktuell nichts schreibe.
Mir fehlt die Zeit und die Kraft dazu.
Die Zeit, weil ich jede Sekunde durchplane, am liebsten mit arbeiten.
Denn somit habe ich auch keine Zeit die Gedanken in meinem Kopf zu laut werden zu lassen.
Die Kraft, weil ich das bisschen freie Zeit, was zwischendurch oder am Abend bleibt, meistens mit Hungern oder Ess-Brech-Gelagen fülle.
Die Kombination aus Dauerstress und Essstörung zieht so unheimlich viel Energie, dass ich manchmal sogar überlege das Kalorienzählen und Dauerkontrollieren etwas zu reduzieren. 
Und manchmal, wenn auch selten, klappt es. 
Obwohl die Essstörung aktuell so präsent ist wie schon lange nicht mehr, gibt es Lichtblicke. 
Manchmal esse ich mit einer Freundin im Restaurant und bestelle einfach irgendetwas, worauf ich Lust habe. 
Manchmal kaufe ich mir Lebensmittel, die eigentlich jahrelang verboten waren. Und ich esse sie, ohne in einen Essanfall zu rutschen.
Gestern habe ich morgens vergessen mich zu wiegen.

Die kleinen Erfolge sind es, die uns über Wasser halten.

Vorhin wollte ich in den Supermarkt fahren und die übliche Ben&Jerrys-Binge-Ration kaufen. Doch dann fand ich es spontan doch besser meinen Körper ausnahmsweise mal gut zu behandeln. Also habe ich Eis gegessen, ohne den ganzen Becher zu leeren. Und es ist okay, dass ich somit ein paar Kalorien über meiner selbstauferlegten Kaloriengrenze liege. Es ist in jedem Fall besser als herzstolpernd auf dem Badezimmerboden zu liegen.

Es fühlt sich okay an. Zumindest für heute.
Ich bin nicht mehr so naiv zu glauben, dass ich von jetzt an immer so handeln kann wie heute.
Aber vielleicht immer mal wieder.
 

 
 
 

Montag, 3. Oktober 2016

#63 Regentage

Meine ehemals wichtigste Bezugsperson mein Ersatzdad schreibt mir, dass er so oft an mich denkt und hofft, dass es mir gut geht. 
Und auf Knopfdruck ist alles wieder da, die Enttäuschung, die Wut, die Traurigkeit und die Leere, die übrig geblieben ist.
Ich könnte tagelang durchweinen, aber das hat schon damals nicht geholfen.

Es ist wie immer, wenn er mir schreibt. Ich falle und falle. Zurück in Arme, die mich nie gehalten haben.

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Ich liege nachts wach und lese die Esstagebücher von 2012. Damals habe ich so wenig gegessen. Und 10kg weniger gewogen als jetzt. Ich weine, um die Zeit, die ich verloren habe. Und ich weine noch mehr, weil ich noch immer Zeit damit verliere, wieder so dünn sein zu wollen. 

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Nächste Woche geht die Uni weiter. Mir ist zurzeit alles so egal. Zurzeit dauert nur schon relativ lang. Ich habe Angst das alles nicht zu schaffen. Ich will gar nicht studieren, weiß aber auch nicht was ich sonst will.
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Ich sitze im halbdunkeln bei meiner Therapeutin, es regnet in Strömen und ich kann nicht aufhören zu weinen. Kann nicht reden, weil ich gerade irgendwo im Gefühlsstrudel untergehe und Tränenmeerwellen meine Stimmbänder übertönen.
Wahrscheinlich sehe ich so elend aus, dass sie Mitleid hat und mich nicht so nachhause schicken möchte. 
Wir gehen essen, ein griechisches Restaurant, sehr angstbesetzt bei mir. Aber es ist okay. Es ist ein schönes Gefühl nicht egal zu sein. Und es ist nett, dass sie sich zum Feiertag die Zeit nimmt sich mein Rumgeheule reinzuziehen.

Jetzt weine ich schon wieder, einfach so, die Auslöser verschwimmen zwischen all den Tropfen. Aber weinen ist besser als Vollstopfen und Erbrechen. 


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Ja, das ist nicht der angekündigte Positiv-Post, wie unschwer zu erkennen ist - er kommt noch ;-) 
 

Dienstag, 27. September 2016

#62 Betäubungsmittel [Tw? Keine Ahnung.]

Als Kind habe ich gefressen und als Jugendliche habe ich gehungert. Und irgendwann habe ich erneut gefressen und erneut gehungert. 
Ich bin so weit und so lange und so oft gerannt, bis mir die Luft zum Denken ausging und ich habe so wenig geschlafen, dass ich gerade so durch den Tag gekommen bin.
Ich habe geraucht und gekifft bis sich die Welt entgegen dem Uhrzeigersinn gedreht hat.
Ich habe mich betrunken bis ich nicht mehr wusste wer ich bin, wo ich bin und wessen Finger an in meinem Körper kleben.
Ich habe Rasierklingen zweckentfremdet, um atmen zu können.
Weihnachtszeit 2015, Selbstabschreckungsmaterial
[...]
Doch am Ende.
Ende ich doch immer wieder vor dem weißen Porzellangott. Denn dort lassen sich Gefühle immer noch am zuverlässigsten betäuben.







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Demnächst kommt wirklich mal wieder etwas Positiveres. Denn es gibt, trotz aller Rückschläge, auch ein paar kleine Fortschritte, die ich mit euch teilen möchte :-)

 
 

Dienstag, 20. September 2016

#61 Escape Mode: Error

Und wieder was gelernt: es bringt nichts, sich in Berlin vor dem Montagstief verstecken zu wollen. 
Solange es Hotels mit Minibars gibt, gibt es auch eine Chance für das Montagstief.
Und wenn es keine Minibar gibt, sind da immer noch Spätkauf-Shops, Drive-Ins und Tankstellen.

Aber eigentlich weiß ich: es liegt nicht daran, dass immer und überall Binge-Möglichkeiten bestehen, ob nun zuhause, in Berlin oder wo auch immer.

Eigentlich weiß ich, dass das Problem in meinem Kopf liegt.
Ich kann keinen verdammten Snickers-Riegel essen, ohne postwendend über der Toilettenschüssel zu hängen.
Ich kann keine Packung Kekse öffnen, ohne sie restlos zu leeren.
Weil ein Keks schon zu viel und dann sowieso alles egal ist.
 Alles oder nichts.
Ich bin unfähig einen Mittelweg zu finden.
Ich kenne nur verbieten oder vollstopfen, aber ich kenne nicht 'sich mal was gönnen und genießen'.

Solange ich mich diesem Punkt nicht annähere, (und gerade entferne ich mich mal wieder eher) werde ich den Teufelskreis nicht durchbrechen. Punkt.
Das ist kein Pessimismus, sondern eine Tatsache.
Und ich weiß, dass mich restriktives Essen zuverlässig ins nächste Fressgelage leitet. Und dass ich davon nicht abnehme. Im Gegenteil.

Aber ich weiß trotzdem nicht, wie ich anfangen soll. Mit dem Aufhören.
Mein Kopf ist es leid, sich darüber zu zerbrechen.
Und meine Angst, für immer meine Kreise zu drehen, zwischen Supermarkt und Kloschüssel, ist scheinbar immer noch nicht groß genug, um laut genug gegen die Essstörungs-Stimmen anzuschreien.

Es fühlt sich immer so an, als ob irgendwann der große Einbruch kommt, von den Fassaden, die ich so kunstvoll um mich herum aufgebaut habe.
Aber noch ist da Nichts, außer ein paar kleinen Stellen, an denen es ab und an mal brökelt, wenn man genau hinsieht. Aber wer tut das schon?




 

Donnerstag, 15. September 2016

#60 Raus aus dem Alltag!

Morgen geht es für mich endlich wieder nach Berlin! <3
Auch wenn es erneut für eine Weiterbildung und nicht für einen Urlaub ist, freue ich mich total darauf, die ganze Woche schon.
Ich glaube ich erwähnte bereits beim letzten Mal, wie sehr ich die Stadt mag.
Vielleicht sollte ich nach Berlin ziehen, aber es ist naiv zu glauben, dass das meine Probleme löst. Der Alltag holt einen irgendwann überall ein.

Selbst drei Tage 'Einfach-mal-rauskommen' bewirken bei mir oft schon kleine Wunder in Hinblick auf die Grundstimmung. Und, weil ich den Montagstief-Teufelskreis durchbrechen möchte, bleibe ich einfach noch einen Tag länger. Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Stimmung nicht kippen wird, wenn mein Montagmorgen einmal nicht mit Seniorensport beginnt. Sondern mit einem Frühstück im Hotel.
Rentner zum Wochenstart morgens um 9 können sich zu einem richtigen Feindbild entwickeln. Meine Stimmung beginnt schon am Sonntagabend zu sinken, wenn ich daran denke. 


Es ist mir unendlich schwer gefallen mir diesen einen freien Tag überhaupt erstmal zu gönnen.  Zeit für mich einzuplanen. 
Zeit, in der ich nichts leiste, kein Geld verdiene, mich nicht weiterbilde, keine Erwartungen erfülle und niemandem einen Gefallen tue. 
Nur mir selbst.

 

Freitag, 9. September 2016

#59 Zimteis

Heute bei Thalia entdeckt und mitgenommen. Kommt an den Kühlschrank.
Meine Therapeutin war heute mit mir Eis essen. 
Als Konfrontationstherapie. 
Eis ist bei mir ganz oben auf der Binge-Purge-Liste, dementsprechend also besonders angstbehaftet.

Es war ungewohnt ruhig in meinem Kopf.
Es war irgendwie okay in der Sonne zu sitzen und Zimteis zu essen und nicht zu wissen wieviele Kalorien das gerade sind.
Es war okay danach nicht in den Supermarkt zu fahren und literweise Ben&Jerrys hinterherzustopfen.
Es war ein bisschen so, wie ich mir genießen vorstelle.
Und vielleicht war es das sogar. Nach all den Jahren bin ich mir nicht mehr so sicher, wie sich das anfühlt.

Aber erstmals glaube ich wieder daran, dass man genießen neu lernen kann. 

Samstag, 3. September 2016

#58 Breathing underwater

Am Mittwoch habe ich mir mein erstes Tattoo stechen lassen. 
Breathing underwater.
Ich habe gelernt Unterwasser zu atmen. Manchmal, wenn an die Oberfläche schwimmen nicht geht.
Denn sonst würde ich jetzt nicht hier sitzen und schreiben und atmen, sondern irgendwo untergegangen am Meeresgrund verrotten.
Zugegebenermaßen, ich habe die Metapher von Lilly Lindner geklaut. Ich finde ihre Bücher und die Art wie sie schreibt einfach unglaublich beeindruckend und faszinierend.
Also, wer ihre Bücher noch nicht kennt-unbedingt lesenswert!!  

So sehr ich mich auch über mein Tattoo gefreut habe, kam danach die große Herausforderung für mich: erstmal kein Sport. Zumindest kein hartes Training. Normalerweise lege ich nur gelegentlich mal komplett sportfreie Tage ein. Schon gar nicht mehrere Tage am Stück. Denn ich weiß, dass bekommt meinem Körpergefühl gar nicht gut.
Aus Angst vor Bewegungsmangel bin ich also am Donnerstag extra zeitig aufgestanden, um zu Fuß zur Therapiestunde zu gehen.
Würde mir normalerweise im Traum nicht einfallen dafür eine Stunde eher auszustehen.
Hin und zurück 10km, hat sich aber dennoch nicht wie ein adäquater Sportersatz angefühlt. Dafür hatte ich danach fette Blasen an den Füßen, weil ich Superhirn natürlich in Ballerinas losmarschiert bin.
Am Freitag hat mich meine schlimmste Befürchtung direkt am Morgen auf der Waage überwältigt: 1,1kg Gewichtszunahme über Nacht, gleiche Kalorienmenge wie immer, nur eben weniger Sport.
Und ja, ich weiß, ganz normale Schwankung, und ja, ich habe auch gerade nebenbei noch meine Tage, also alles erklärbar.
Ist mir trotzdem egal, denn die neue Zahl lag (und liegt immernoch!) oberhalb meiner imaginären Gewichtsgrenze.
Heute Morgen dann genau die gleiche Zahl. Ich hätte heulen können. Aber stattdessen habe ich was gemacht?
Richtig.
Ich habe gegessen.
Denn wenn man Gewicht verlierenwill hilft es ja bekanntlich, wenn man sich so richtig vollstopft -.-  

 Eigentlich war ja die Idee meines Blogs, dass es ein 'Contra-Essstörungs-Blog' wird. Tut mir Leid, dass sich in letzter Zeit solche Negativposts häufen. Aber ich habe leider vorallem dann ein Schreibbedürfnis, wenn es gerade nicht so läuft.

 
  

Montag, 29. August 2016

#57 Wo bleibt mein Montagstief?

Es ist schon richtiggehend unheimlich.
Ich habe montags immer mein Wochenanfangstief; wenn auf irgendwas Verlass ist, dann darauf.
Und heute? Bleibt es einfach weg. Mehr noch, ich könnte fast behaupten, dass ich mich gut fühle. Einfach so, ohne Anlass. Keine Ahnung, wann ich das das letzte Mal sagen konnte.  

Ich kann dem Frieden irgendwie nicht trauen. Kommt dann morgen das Montagstief, verkleidet als Dienstagstief und dafür vielleicht umso heftiger? 

Den ganzen Tag hatte ich Sorge, dass die Stimmung aus dem Nichts kippt. Aber ich hatte nicht mal nur ein winziges bisschen das Bedürfnis nach einem Essanfall. 

Wenn ich könnte, würde ich so einen Tag wie heute am liebsten über Nacht einfrieren und am Morgen wieder auftauen. Wieder und wieder und wieder und für immer.
 

Sonntag, 28. August 2016

#56 Mein Körpergefühl mobbt mich.

Shoppingtüte von gestern - wie treffend.
Keine Ahnung was mit meiner Körperwahrnehmung schon wieder los ist.

Ich habe nicht zugenommen.
Es gab keine Trigger-Kommentare meiner Mitmenschen.
Ich esse und essbreche so wie immer.
Mein Sportpensum ist wie immer.
Alles ist wie immer.

Nur mein Körpergefühl ist seit letztem Wochenende völlig im Keller.
 
Gestern hatte ich hitzebedingt dann doch mal kurze Hosen an - und habe mich extrem unwohl gefühlt. In jeder Scheibe habe ich mit einem Seitenblick meine viel zu unförmigen Beine abegescannt.



Ich war gestern shoppen und würde euch gern zeigen was ich gekauft habe - aber ich sehe auf jedem Foto gerade viel zu fett aus.
Obwohl ich weiß, dass ich nicht zugenommen habe. 
Obwohl ich weiß, dass ich NICHT FETT bin. 
Ich habe den Beweis auf der Waage, aber nicht mal der glaube ich.
Kann ja sein dass sie stehengeblieben ist.

Alles ist wie immer.
Nur mein Kopf spielt verrückt.
Wie immer. 

Freitag, 26. August 2016

#55 Eine Störung kommt selten allein

Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich nur aus Baustellen bestehe.
Und ich glaube auch, dass meine Therapeutin mitunter gar nicht so richtig weiß, wo sie ansetzen soll.

Neben der Essstörung habe ich auf jeden Fall noch ein ausgeprägtes Nähe-Distanz-Problem

Erwähnte ich schonmal, dass ich einen Freund habe? Nein? 

Kein Wunder, denn in den letzten Monaten habe ich ihn einfach mal aus meinem Leben rausradiert. Nicht, dass wir uns getrennt hätten. Ich habe mich nur einfach nicht mehr gemeldet, ich wollte ihn nicht sehen und jede Nachricht von ihm war mir schon zu viel.
Und ich war zu beschäftigt mit fressen und kotzen.

Vorletztes Wochenende haben wir uns erstmals wieder getroffen.
Ihr fragt euch, warum er immernoch da war? Ehrlich gesagt, ich frage mich das auch.
Denn, warumauchimmer, hatte ich urplötzlich das Bedürfnis ihn sehen zu wollen.
Es war sofort vertraut und schön und ohne jegliche Vorwürfe. Ich habe mich wohl gefühlt und dann kam, irgendwann als wir so nebeneinander lagen, mein üblicher Fluchtreflex. Ab einem gewissen Punkt, dann, wenn normale Menschen sich fallen lassen, steigt in mir richtiggehend Panik auf und ich will nur noch weg.
Dann stehe ich auf und gehe.
Und fange an mich dafür zu hassen, dass ich es schön fand Nähe mit jemandem zu teilen. Ich hasse es, dass es sich vertraut angefühlt hat, dass ich mich geliebt gefühlt und das auch noch genossen habe.
Denn ein Teil von mir will das nicht. Ein Teil von mir beharrt auf einem emotionalen Sicherheitsabstand.
Denn dieser Teil weiß, dass ich nach dem "Ganz-oder-Gar-Nicht" aka "Schwarz-Weiß"-Prinzip funktioniere. Wenn ich keinen Sicherheitsabstand halte, renne ich mit Sicherheit haltlos in die nächste Enttäuschung.
Weil ich nicht mehr bremsen kann, wenn ich mich einmal auf jemanden einlasse. Wenn ich tatsächlich loslasse.

Und vielleicht ist es wirklich gar nicht so verkehrt sich nicht abhängig von der Zuneigung einer anderen Person zu machen. So schön Nähe auch ist. So schön es auch ist geliebt zu werden. 
Man kann sich nie darauf verlassen.
Dass man nicht doch irgendwann verlassen wird.

    

Donnerstag, 25. August 2016

#54 Was motiviert mich 'gesund' zu werden?

Achtung, Negativpost!

Am Montag, nach dem üblichen Wochenstart-Rückfall, fiel es mir irgendwie wie Schuppen von den Augen: Die ganze Zeit habe ich überlegt, warum ich es damals, mit 18, geschafft habe die Essstörung von heute auf morgen abzuschütteln und warum ich diesen Willen, den ich zu der Zeit hatte, jetzt nicht mehr aufbringen kann.
Die ganze Zeit überlege ich, warum ich vor drei Jahren gesund werden konnte und warum ich es aktuell so gar nicht auf die Reihe bekomme. 
Ich habe mich am Montag gefragt, was mich damals von Rückfällen abgehalten hat und was mich heute abhält. Und zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich mir wirklich ehrlich geantwortet.

Früher hatte ich in erster Linie wahnsinnige Angst vor den körperlichen Folgen, die damals zugegebenermaßen ausgeprägter waren als heute. Ich hatte Angst mir mein Leben mit der Essstörung zu verbauen und diese Angst war größer, als die Angst vor einer möglichen Zunahme. Deshalb schaffte ich es loszulassen.

Wenn ich die Frage heute beantworte, und zwar wirklich ehrlich, dann hält mich eigentlich am meisten die Angst vor einer Gewichtszunahme von häufigeren Ess-Brech-Gelagen ab. Und genau hier liegt das Problem - ich will gesund werden, aber meine Motivation dafür baut auf einer typischen Essstörungs-Angst auf. 
Es ist mir ein Stück weit egal, dass mein Körper und meine Gesundheit leiden, dass ich mich am berühmten 'Morgen danach' so fühle, als hätte ich mich am Vorabend ins Koma getrunken.
ODER GEKOTZT.
Es ist mir egal, weil ich inzwischen ganz gut damit leben kann. Mit der Zeit arrangiert man sich.
Und klar, es wäre auch ganz nett nicht permament körperlich fertig zu sein, aber eben auch nicht mehr. 
Als 'ganz nett'.
Damit lässt sich ein aufkommender Rückfall jedoch schlecht blocken. Mit Gewichtsangst hingegen schon.


Warum ich jetzt zu dieser Erkenntnis gleich einen ganzen Post gemacht habe?
Weil ich ehrlich gesagt bis dahin felsenfest überzeugt war, dass ich wirklich gesund werden will. Dass ich mich und meinen Körper und generell mein Leben besser behandeln will. Dass ich lernen möchte mit negativen Gefühlen gesünder umzugehen.
Doch jetzt habe ich festgestellt: ich bin mir selbst auf den Leim gegangen und ich muss der Tatsache ins Auge sehen: Ich verhindere Rückfälle nicht durch irgendwelche neuen Skills, Denkmuster etc., sondern allein durch die ewige, alte Angst vorm Zunehmen.
Großartig.

  
 

Samstag, 20. August 2016

#53 Nur so ein teeniehafter Bild-mit-Spruch-Post

Fake Happiness Is Still The Worst Sadness.















Wenn es etwas gibt, worin ich definitiv gut bin, dann das.

Dienstag, 16. August 2016

#52 Meine Essstörung und ich feiern 2-jährige Wiedervereinigung

Vor ziemlich genau zwei Jahren hatte ich meinen ersten Rückfall nach einem Jahr komplett ohne hungern, Essanfälle, erbrechen, zählen, wiegen und und und.
Es war ein lächerliches Stück Schokoladenkuchen und ich hatte nicht mal besonders großen Appetit darauf. Ich habe mich hinterher nicht wirklich schlecht gefühlt und hatte kein Bedürfnis weiterzuessen. Warum also habe ich den Kuchen in der Toilettenschüssel verschwinden lassen? Keine Ahnung. Vielleicht wollte ich nur mal testen, ob es noch geht.  
Wäre ja schon ein großer Verlust, wenn man verlernt wie man selbstinduziert kotzt -.-

Vielleicht ist es wie bei Alkoholikern oder Drogenabhängigen. Sicherlich gibt es nicht umsonst Studien, die zeigen,dass die Abläufe im Gehirn bei Bulimikern und Alkoholikern recht ähnlich sind. 
Vielleicht reicht ein Rückfall aus, damit die Spirale wieder abwärts geht. Bei mir hat es jedenfalls gereicht. Nach dem Kuchen-Happening war wieder Ruhe. Vorerst. Bis zum Herbst, als ein zweiter Rückfall folgte und ein Dritter und dann kam Weihnachten und ich war kekstütentief zurück in der Essstörung.

Jetzt bin ich mit 21 wieder an dem Punkt, an dem ich mit 15 war. Spätestens, als meine Fingerknöchel wieder anfingen aufzureißen, wusste ich, dass nichts besser geworden war. Das mag pessimistisch klingen, ist aber schlicht und ergreifend die Wahrheit. 

Mit 15 dachte ich, dass es eine Phase ist, die vorbeigehen wird.
Sechs Jahr später weiß ich, dass das naiv war.

Ich habe keine Lust mehr auf weitere Wiedervereinigungsfeiern, doch ich kann auch nicht mehr kämpfen. Gerade zumindest nicht.
Aber vielleicht ist es manchmal okay einfach eine Weile liegen zu bleiben.
Und zu warten.
Bis der Sturm sich legt.
Oder die Spirale weiter abwärts geht. 

Sonntag, 7. August 2016

#51 Nebensachen

Manchmal stehe ich einfach nur daneben. 
Neben Anderen, neben mir, neben dem Leben. 
Ich stehe daneben und schaue zu, weil ich manchmal den Schlüssel nicht finde, um mich aus dem Gefängnis zu befreien, in das ich mich selbst immer wieder einsperre.

Ich schaue zu, wenn die Anderen am Wasser sitzen und Bier trinken. Oder Saft oder Cocktails. Ich kann nicht mittrinken, weil ich Getränkekalorien nicht ertrage.

Ich stehe mitten auf dem Volleyballfeld und kann mich nicht auf das Spiel konzentrieren, weil die Beine meiner Mitspielerinnen so viel dünner sind als meine. Ich bin zu beschäftigt damit mich fett und hässlich zu fühlen, als dass ich mich um das Geschehen außerhalb meines Kopfes kümmern könnte.

Ich sitze mitten unter all den Anderen, aber ich habe keine Lust zu reden, weil reden nichts bringt, weil ich zu müde bin für all die Oberflächen-Konversationen. 
Ich habe keine Lust zu fragen, nach Dingen, die mich eigentlich gar nicht interessieren. 

Ich könnte sagen, dass ich eigentlich gar nicht da bin und ob das jemand gemerkt hat. Aber wahrscheinlich würde mir niemand glauben. Wahrscheinlich würden sie mich für verrückt halten.

Ich wünsche mir so sehr, dass ich eines Tages wieder unbeschwert sein kann. Dass ich lachen und reden und essen und trinken und unter Menschen sein kann, ohne mich die ganze Zeit unterschwellig selbst zu hassen. Ohne zu zählen, zu vergleichen, zu verzweifeln.

Ich will einfach dabei sein können.

Samstag, 6. August 2016

#50 Wie läuft es eigentlich mit meiner Keto-Ernährung?




Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen mal einen Whole Day of Eating im Keto-Style zu machen, aber irgendwie kriege ich es einfach nicht auf die Reihe mal einen Tag durchweg ans Fotografieren zu denken :-/
Deshalb gibt's heute nur ein normales Ernährungs-Update von mir und ein paar Keto-Foodbilder.

Um es gleich mal vorweg zu nehmen: natürlich lief es wie immer, wenn ich eine neue Ernährungsform ausprobiere. Eigentlich war es absehbar, dass nach der anfänglichen Hochphase ein kompletter Kohlenhydrat-Verzicht über kurz oder lang zu Kohlenhydrat-Heißhunger führt - Überraschung. In Kombination mit ein bisschen viel Arbeits-und Prüfungsstress hatte ich dann also erstmal wieder eine heftige Rückfallphase falls jemand Fragen zu den Ben&Jerrys-Sorten hat, ich denke ich kenne sie jetzt so ziemlich alle  und im Anschluss hat sich mir die Frage gestellt, ob ich weiter an der Keto-Ernährung festhalten sollte oder nicht. Generell bin ich nämlich nach so Binge-Purge-Phasen immer ein wenig planlos wie ich wieder halbwegs ins 'normale Essen' normal in Verbindung mit essen ist sowieso relativ reinkomme. 
Jedenfalls habe ich mich dann entschieden die Keto-Sache etwas aufzuweichen, aber dennoch nicht aufzugeben.  Heißt konkret, dass ich jetzt mit den Kohlenhydraten nicht mehr gaanz so streng bin, beispielsweise bei Gemüse. Und ich esse außerdem eine kohlenhydratreiche Mahlzeit am Tag, meistens Mittags, denn damit komme ich bisher besser zurecht als mit reinen Carb-Days. Ansonsten gestalte ich meine Mahlzeiten und Snacks weiterhin recht keto-orientiert, auch wenn ich nicht mehr auf jedes Zehntel Gramm Kohlenhydrate schaue. 
Neben den Carb-Cravings war ein weiterer unschöner Nebeneffekt, dass ich durch den KH-Mangel beim Krafttraining weniger Fortschritte gemacht habe. Das hat mich auch ziemlich genervt und an meiner Motivation diese Ernährung durchzuziehen genagt.
Ein positiver Effekt war allerdings, dass mein Hautbild deutlich besser geworden ist.

Mal sehen, wie ich jetzt mit der abgeschwächten Variante klarkomme. Ich halte euch auf dem Laufenden, wenn ihr mögt :-) 

Hier nun noch ein paar von meinen Keto-Mahlzeiten:

Brokkoli mit Schinkenwürfeln und Kräuterquark // ~300cal












Paprika mit Stremel-Lachs und Mozzarella überbacken // ~450cal




Mein Nacht-Snack: Gemüse, Kräuterquark, Senf, Würstchen // ~200cal




















Neuer Proteinriegel, angeblich mit weniger als 1g Net Carbs // 184cal


Dienstag, 2. August 2016

#49 Lebensangst

Ich frage mich, ob ich jemals in meinem Leben an einen Punkt komme, an dem ich normal sein werde. Oder ob ich nicht von Jahr zu Jahr kaputter und gestörter werde.

Manchmal habe ich Angst ein hoffnungsloser Fall zu sein. Ich habe Angst für immer in meinen eigenen Schwarz-Weiß-Mustern gefangen zu bleiben. Ich habe Angst niemals diese unendlich endlose Leere loszuwerden.


Meine Ernährungsberaterin hat mich heute gefragt, wie sie mir denn noch helfen kann. Aber ich hatte keine Antwort, denn ich weiß es selbst nicht. Ich weiß absolut nicht, was mir helfen könnte. Und ich habe manchmal schon gar keine Lust mehr darüber nachzudenken, weil ich es Leid bin Hoffnung zu schöpfen und am Ende doch wieder zu fallen. 
Jedenfalls war das heute vorerst mein letzter Ernährungsberatungs-Termin, ich soll mich melden, wenn ich eine Idee habe, wie sie mich unterstützen kann. Da ich weiß, dass mein Ideenreportoire so ziemlich am Ende ist, wars das wohl also erstmal. 
Seit ich mich vor knapp zwei Stunden von der Ernährungsberaterin verabschiedet habe, bin ich durchweg am Heulen. Es fühlt sich mal wieder an wie das vertraute Gefühl des Bodens, der einem unter den Füßen weggezogen wird. Denn die Termine dort haben mir, im Gegensatz zur Therapie, doch zumindest ein wenig Halt gegeben. Nun bin ich also genauso haltlos wie zuvor und vielleicht lerne ich ja auch irgendwann in den nächsten 30 Jahren mal, dass man sich nur festhalten sollte, wenn man weiß, dass man auch loslassen kann.


 

Dienstag, 26. Juli 2016

#48 Mit leichter Verzögerung: Meine Fear-Food-Listen früher&heute

Aufgrund meiner ganzen Keto-Ernährungsumstellung war es ein wenig unter den Tisch gefallen, trotzdem habe ich es natürlich nicht vergessen: Ich wollte euch mal meine Fear-Food-Listen von früher zeigen, aus meiner ersten Essstörungsphase, in der ich noch wesentlich mehr auf dem Hunger-Trip war als jetzt heute.

Ich habe sie jetzt einfach mal abfotografiert, in der Hoffnung, dass es lesbar ist, aber ich fand das 'stilechter', irgendwie. Hätte ich sie abgetippt, hätte ich automatisch Sachen bzw. Formulierungen etc. verändert. 


 

 Wie ihr seht, habe ich so ein bisschen in Verboten und Erlaubt geteilt, wobei ich bei verboten scheinbar nochmal unterteilt habe in 'ganz schlimm' und 'geht so'. Diese Unterscheidung war allerdings eher ein ziemlicher Selbstbetrug, denn einige Sachen finden sich in beiden Listen. Und außerdem hätte ich auch von der 'Geht so-Liste' kaum ein Lebensmittel angerührt. Nur die Binge-Gefahr war bei diesen Lebensmitteln ein wenig geringer als bei den ganz schlimmen Nahrungsmitteln.

Und was war erlaubt?

 Die Liste ist auf jeden Fall wesentlich kürzer gewesen und enthält größtenteils die typischen Essstörungs-Lebensmittel, wie Magerquark, Gemüse, Naturjoghurt und Co. Nicht wirklich verwunderlich also, dass ich andauernd irgendwelche Cravings hatte.

Wie sieht es heute aus?
 Ich würde sagen, dass sich die Fear-Foods wenig verändert haben. Pizza, süßes Müsli, jeglicher Süßkram, vorallem Eis, das alles triggert bei mir immer noch ganz extrem Rückfälle. 
Mit den erlaubten Lebensmitteln ist das schon etwas schwieriger einzuschätzen, ich würde behaupten, dass die Liste heute länger ist, allerdings habe ich durch die Keto-Ernährung aktuell wieder eine sehr strikte Erlaubt-und-Verboten-Trennung





 Aktuell esse ich alles, was wenig Kohlenhydrate hat und stattdessen viel Eiweiß und Fett enthält. Davor habe ich eher fettarm gegessen. Meine Erlaubt-Liste wechselt also ständig.


Habt ihr auch solche Listen für euch gemacht oder macht ihr solche Einteilungen eher im Kopf oder vielleicht auch gar nicht? Heute schreibe ich auch nicht mehr auf, aber teile gedanklich ein.

Ich wünsche euch einen schönen Tag! :-) 


 

Donnerstag, 21. Juli 2016

#47 Hotelblues

So gern ich auch allein verreise und es genieße mich dabei nach niemandem richten zu müssen, so sehr hasse ich es abends in der Stille des Hotelzimmers gefangen zu sein. Obwohl Stille im Sinne von Ruhe in Berlin eher relativ zu sehen ist.
Zuhause, in meiner Wohnung, stört es mich kein Stück, im Gegenteil. Da bin ich froh, wenn ich abends nachhause komme und niemanden mehr sehen und nicht mehr kommunizieren muss, wenn ich nicht möchte.
Und jetzt, hier, in Berlin im Hotelzimmer, ist die Stille so laut, dass ich mir die Ohren zuhalten möchte. Aber weil das nichts bringt, weil ich nicht für immer taub und betäubt und gehörlos mit meinen Gefühlen umgehen sein kann, versuche ich sie auszuhalten. Denn die Alternativen sind eh gerade begrenzt. Ich könnte irgendwo feiern gehen, die ganze Nacht. Am besten übertönt man Stille immer noch mit Alkohol-Rauschen in den Ohren und im Kopf.


Abgesehen von dem abendlichen Hotelproblem habe ich den Tag aber echt genossen. Berlin ist so ziemlich meine Lieblingsstadt und mit jeder neuen Ecke, in die ich hier komme, verliebe ich mich noch ein bisschen mehr in die Stadt. Immer wenn ich hier bin, freue ich mich unheimlich darauf U-Bahn zu fahren, weil ich das aus unerfindlichen Gründen so gern mag. Und ich liebe es irgendwo zu sitzen oder langzulaufen und einfach nur das Gefühl von Großstadt und Freiheit zu spüren.


Ein bisschen shoppen war ich auch, bei Primark. Eigentlich schimpfe ich immer auf den Laden, trotzdem gehe ich ab und an mal wieder rein, vorallem dann, wenn ich Shoppinggelüste trotz Geldmangel stillen will.
Die Ausbeute war auch eher ernüchternd, hatte erst überlegt mal so einen Shopping-Haul zu machen, aber außer ein paar Basics und einer weißen Chinohose (ich weiß nicht was mich da geritten hat) die auch noch zu eng ist, weil ich zu faul war mich an den Umkleiden anzustellen, kam nicht viel bei rum.


Morgen geht es dann los mit meinem Seminar-/Prüfungswochenende. Ich bin noch so ein bisschen unmotiviert und hoffe, dass es interessanter wird als ich erwarte.


Hier noch zwei Bilder von heute:









Keine Shoppingausbeute, aber eines der recht wenigen Outfits, in denen mein Körpergefühl nicht vor jedem Spiegel den Bach runtergeht :-)




Abendessen: Salat mit Rinderfiletstreifen, Guacamole, Käse und saurer Sahne.
Dazu hatte ich eine Cola light (?), die mich gerade immer noch beschäftigt, denn auf der Rechnung stand eine normale Cola. Und ich schmecke den Unterschied nie -.-