Dienstag, 10. Januar 2017

#67 Hoffnungsloser Fall

Meine Therapeutin weiß nicht mehr was sie mit mir machen soll.

"Ehrlich gesagt, zieht mich das schon auch manchmal runter, dass wir mit Ihnen nicht weiterkommen."

Sorry, keine Absicht.
Mich zieht es übrigens auch runter.

Ich frage mich, ob es an mir liegt, dass es schlechter denn je läuft.
Dumme Frage, an wem auch sonst?
Ich frage mich, ob ich zu unmotiviert bin. 
Ob ich vielleicht zu müde zum immerwiederdagegenankämpfen geworden bin.

Ich verschwende meine Therapiestunden damit, über meine neuerworbene Fettleibigkeit zu heulen und jegliche Gefühlsweltthemen radikal abzublocken. 

Meine Therapeutin ist genervt, das merke ich.
Und ich verstehe es.
Ich bin selbst genervt.

Aber was soll ich sagen?
Dass ich das Gefühl habe auf ganzer Linie zu versagen, dass ich mein Studium hasse und nicht weiß was ich jemals in meinem Leben machen soll, wenn ich immer nur alles abbreche, was ich anfange?
Oder soll ich erzählen, dass ich wieder angefangen habe mir die Arme aufzuschneiden oder dass ich ohne Alkohol nicht mehr einschlafe, obwohl der mich noch fetter werden lässt?
Ich könnte auch von meinem Schmerzmittel-und Aufputschpillenkonsum erzählen, der gerade erschreckend hoch ist. Oder von den immer häufiger auftretenden Herzrythmusstörungen.

Stattdessen erzähle ich nichts von alldem, weil ich Angst habe, dass sie dann völlig resigniert.
Der Fall ist schließlich hoffnungslos genug.

 
 

Dienstag, 3. Januar 2017

#66 Jahresresümee 2016

Schon wieder habe ich seit gefühlten Ewigkeiten nichts geschrieben.
War zu beschäftigt damit essgestört und gestresst und deprimiert und beziehungsunfähig zu sein.

2016 war das Jahr, das esstörungstechnisch bisher vermutlich mein Schlechtestes war. Und wenn ich mir die ersten drei Tage von 2017 so ansehe, dann ist das vermutlich gleich dazu noch der schlechteste Jahresstart, den ich je hatte.
Drei Tage in Folge über der Porzellanschüssel.
 Übrigens bin ich fett geworden.

Meine Stimmung schwankt gerade zwischen 'Ichwillkannnichtmehr' und 'Ichmussendlichwasändern'.
Aber endlich was ändern heißt auch, ins Nichts zu fallen. 
Denn wenn ich die Essstörung aufgebe.
Und aufhöre, mich mit Arbeitsstress zu betäuben.
Was bleibt dann übrig?

Ich hoffe ihr hattet einen besseren Start ins neue Jahr! <3

 

Dienstag, 8. November 2016

#65 Back here!

Hallo ihr Lieben!
 
Es fühlt sich an, als hätte ich seit Ewigkeiten nicht gebloggt, dabei waren es dem Datum meines letzten Posts nach nur etwa drei Wochen. Oder zwei oder vier, ich bin zu müde, um nachzurechnen.

Ich weiß nicht einmal mehr, was ich beim letzten Mal geschrieben habe und ich habe gerade auch keine Lust es mir nochmal durchzulesen. Wahrscheinlich war es das Übliche.

In den letzten Wochen habe ich weder gebloggt, noch mitgelesen, weil ich viel zu beschäftigt damit war mein Stresslevel so hoch zu halten,dass ich nicht mal mehr Zeit für Ess-Brech-Gelage hatte. Wäre das nicht ein verdammt anstrengende, ungesunde Variante, um die Essstörung abzuschütteln, würde ich sie glatt für immer so beibehalten.
Aber ich kann nicht mein Leben lang 12-Stunden Schichten schieben und vor Erschöpfung den ganzen Tag zittern, oder?

So anstrengend die letzten Wochen auch waren, haben Sie sich doch ganz positiv auf mein Essverhalten ausgewirkt. (Positiv! Essverhalten! In einem Satz!)
Ich habe mehr gegessen und weniger gebingeandpurged, ich liege 1 ganzes kg über meiner imaginären Gewichtsgrenze und halte es trotzdem aus nicht dagegen anzuhungern.
Was nicht heißt, dass ich mich nicht gerade klatschenfett und unwohl fühle.

Ich lese mich jetzt so schnell ich kann wieder in eure Blogs ein und hoffe es geht euch allen einigermaßen gut! :-)  

 

Dienstag, 18. Oktober 2016

#64 Abwesenheitsnotiz // Kleine Erfolge

Es tut mir Leid, dass ich aktuell nichts schreibe.
Mir fehlt die Zeit und die Kraft dazu.
Die Zeit, weil ich jede Sekunde durchplane, am liebsten mit arbeiten.
Denn somit habe ich auch keine Zeit die Gedanken in meinem Kopf zu laut werden zu lassen.
Die Kraft, weil ich das bisschen freie Zeit, was zwischendurch oder am Abend bleibt, meistens mit Hungern oder Ess-Brech-Gelagen fülle.
Die Kombination aus Dauerstress und Essstörung zieht so unheimlich viel Energie, dass ich manchmal sogar überlege das Kalorienzählen und Dauerkontrollieren etwas zu reduzieren. 
Und manchmal, wenn auch selten, klappt es. 
Obwohl die Essstörung aktuell so präsent ist wie schon lange nicht mehr, gibt es Lichtblicke. 
Manchmal esse ich mit einer Freundin im Restaurant und bestelle einfach irgendetwas, worauf ich Lust habe. 
Manchmal kaufe ich mir Lebensmittel, die eigentlich jahrelang verboten waren. Und ich esse sie, ohne in einen Essanfall zu rutschen.
Gestern habe ich morgens vergessen mich zu wiegen.

Die kleinen Erfolge sind es, die uns über Wasser halten.

Vorhin wollte ich in den Supermarkt fahren und die übliche Ben&Jerrys-Binge-Ration kaufen. Doch dann fand ich es spontan doch besser meinen Körper ausnahmsweise mal gut zu behandeln. Also habe ich Eis gegessen, ohne den ganzen Becher zu leeren. Und es ist okay, dass ich somit ein paar Kalorien über meiner selbstauferlegten Kaloriengrenze liege. Es ist in jedem Fall besser als herzstolpernd auf dem Badezimmerboden zu liegen.

Es fühlt sich okay an. Zumindest für heute.
Ich bin nicht mehr so naiv zu glauben, dass ich von jetzt an immer so handeln kann wie heute.
Aber vielleicht immer mal wieder.