Samstag, 30. April 2016

#18 Today I'm a Burger King!

Ich habe heute etwas Verrücktes gemacht.
Etwas, wovon mich sonst tausend Ängste abhalten.
ICH HABE EINEN BURGER GEGESSEN!
Und zwar ohne danach vor lauter schlechtem Gewissen in einen Essanfall zu rutschen und OHNE im Vorfeld oder im Nachhinein zu hungern.

Für den Normalo-Esser ist es wahrscheinlich nicht wirklich nachvollziehbar warum das so ein großes Erfolgserlebnis für mich ist. 
Aber ich denke, dass die meisten, die das hier lesen, verstehen wie viel Überwindung es kostet sich an ein Lebensmittel heranzuwagen, welches sonst auf der schwarzen Liste steht.
Irgendwas stimmt mit der Kommasetzung in dem Satz nicht. Das wurmt meine innerer Perfektionistin gerade etwas.
 Mir fällt es generell schon relativ schwer Dinge zu essen, deren Kalorienangaben ich nicht genau weiß. 
Noch schwerer fällt es mir, wenn ich weiß, dass ich etwas esse, das vorher gebraten wurde. Denn grundsätzlich gehe ich ja davon aus, dass dabei automatisch eine Flasche Öl über mein Essen gekippt wird. Mindestens.

Heute habe ich es geschafft die Ölphobie einfach zu ignorieren. Ich habe einen Süßkartoffel-BRATLING(schon das Wort schreit nach Fett)-Burger mit -Achtung, Achtung- einem Weißmehlbrötchen (sonst auch ein absolutes No-Go) gegessen. Und es hat sich gut angefühlt. Es hat sich ein bisschen nach gesund und frei und glücklich und zufrieden sein angefühlt. Es hat sich nach "Ich tu' mir und meinem Körper und meiner Psyche etwas Gutes" angefühlt.

Falls jemand gerade keinen Bock auf Essensbilder hat, (mir geht es jedenfalls manchmal so, dass mich die FoodPorns anderer Leute einfach nur tierischst nerven) - ACHTUNG, jetzt kommt noch ein Foto ;-)

Tadaaa!
 

 








Ich habe eigentlich auch schon länger vor mal einen "Whole Day of Eating" in Form von Fotos zu machen, einfach um mal zu zeigen wie viel ich (ohne zuzunehmen!) esse. Ich selbst finde es nämlich manchmal ganz hilfreich und beruhigend zu sehen was und wie Andere so essen, um ihr Gewicht zu halten. Oft ist es viel mehr als man glaubt essen zu können/dürfen/whatever.
Bisher scheitert das Vorhaben meistens allerdings schon daran, dass ich früh noch zu müde, vergesslich und zu gestresst bin, um daran zu denken ein Foto von meinem Frühstück zu machen :D

Ich wünsche euch einen schönen Samstagabend!

 

Freitag, 29. April 2016

#17 Sport sucht Potential

Nachdem ich letztens bereits ein wenig über meinen früheren Sport-/Lauf-/Bewegungszwang geschrieben habe, möchte ich jetzt nochmal etwas näher darauf eingehen wie ich den Sportzwang abgelegt (oder immerhin positiv verändert) habe und wie es dazu gekommen ist, dass ich heute als Fitnesstrainerin arbeite.

Quelle: Facebook/FitnessBlender
 Angefangen hat alles mit einer verlorenen Wette vor zwei Jahren, die mich dazu zwang einen Zumbakurs zu besuchen. Zumba und jeglicher Tanzsport standen zu dieser Zeit in meiner "Vergiss es, dafür bist du zu fett"-Liste fast ganz oben, nur Schwimmen war noch übergeordnet.
Ich begab mich also maximal unmotiviert in den Kurs, stand in der hintersten Ecke des Raumes und 60 Minuten später hatte meine Frustrationsskala den Wert 11/10 erreicht. Ich bewegte mich so anmutig wie ein adipöser Schmetterling. 
In diesem Moment wunderte es mich auch nicht mehr, dass mich meine ehemalige Sportlehrerin mit einem Pferd verglichen hatte. Ich gab ihr spätestens jetzt recht. Selbst eine hüftoperierte Seniorin wäre weniger steif gewesen als ich.

Man könnte jetzt denken, dass ich nie wieder einen Fuß in einen Zumbakurs setzte. 
FALSCH. Ich war so frustriert über mein Nicht-Können, dass ich von da an zweimal wöchtentlich den Kurs besuchte. Schneller als gedacht wurde ich besser. 
Und zu meiner Überraschung fing ich bald an mich wirklich auf den Kurs zu freuen. Zum ersten Mal in meinem Leben freute ich mich darauf Sport zu machen.
Das Tanzen half mir enorm, um mich in meinem Körper langsam wieder wohler zu fühlen. Fast jeden Abend übte ich zuhause vor dem Spiegel.

Ein halbes Jahr später machte ich meine Ausbildung zum Zumba-Trainer. 
Kurz danach zog ich in eine andere Stadt und fand einen Verein, in dem ich meinen ersten eigenen Zumbakurs ins Leben rief. 
Nach und nach kamen weitere Kurse dazu, ich knüpfte Kontakte mit verschiedenen Fitnessstudios und neben Zumba gab ich bald auch diverse Kräftigungskurse.
Inzwischen bin ich seit über zwei Jahren dabei und ich liebe den Job über alles. Ich muss mich nicht mehr zwingen Sport zu treiben, denn ich mache es gern, habe Freude daran mich zu bewegen. Genau das versuche ich auch meinen Teilnehmern mitzugeben.
Trotz aller Sportliebe lebe ich jetzt nicht in einer "Friede, Freude, Fitnesslifestyle" - Welt. So sehr mir das Tanzen auch geholfen hat mein Körpergefühl zu verbessern, die Essstörung ist immer noch da. Und der Zwang täglich Sport zu treiben auch. Zwar mache ich inzwischen gern Sport und ich renne nicht mehr mit Bronchitis durch den Wald. Aber einfach mal ein paar Tage nicht zu trainieren, das ist nach wie vor undenkbar. 
Denn dann nehme ich schlagartig 5kg zu und baue jegliche Muskulatur ab.
 
Inzwischen mache ich neben dem Studium eine Ausbildung zum lizenzierten Fitnesstrainer, um neben dem Kursbereich auch im Studio als Flächentrainerin arbeiten zu können. 
Konkret heißt das: weniger Kurse, weniger Sport, mehr Gewichtszunahmepanik.
Aber es heißt auch, dass ich meiner Essstörung wieder ein Stückchen mehr die Stirn biete.

Ich wünsche euch einen schönen Start ins Wochenende! :)


 
 

Dienstag, 26. April 2016

#16 Gefahrenzonen

Vier Supermärkte, die ich zu Fuß in unter 5 Minuten erreiche.
Fünf Bäcker, Zwei Pizzadienste, eine McDonalds-Filiale, ein Dönerladen und zwei Tankstellen, mit denen ich fast Tür an Tür lebe.
Ich wohne mitten in einem Minenfeld für Essanfall-Anfällige.
An manchen Tagen muss ich sehr genau aufpassen, wenn ich vor die Tür trete. Muss aufpassen, dass sich meine Füße nicht verselbstständigen und auf einmal vor dem Süßwarenregal von Supermarkt 1,2,3 oder 4 zum Stehen kommen. 
Ich muss aufpassen, dass meine Finger nicht ausversehen die Nummer vom Pizzaservice ins Telefon tippen und mein Auto mich nicht plötzlich in den McDonalds Drive-In navigiert.

In kritischen Momenten sitze ich oft auf meinem Sofa und denke darüber nach, wie leicht es wäre jetzt dem Ess-Brech-Druck nachzugeben. Wie leicht es wäre eine Runde über das Minenfeld zu schlendern.
Und manchmal gehe ich tatsächlich los, weil ich keine Lust habe auf dem Sofa zu sitzen und stark zu sein und zu kämpfen und Way-Out Strategien, Ablenkungs-Skills und Kopfkino-Kontrollmechanismen anzuwenden. Manchmal bin ich einfach zu müde zum stark sein.
Aber manchmal, immer öfter, schaffe ich es unbeschadet zu bleiben, mitten in meiner selbsternannten Gefahrenzone. Dann bleibe ich einfach auf meinem Sofa hocken und versuche mit meinem Kopf ins Geschäft zu kommen. Biete ihm eine gesunde Alternative zu seinen Junkfoodzuckerpizza-Cravings an.
Manchmal, immer öfter, lässt er sich darauf ein.
Darauf, sich mit mir zu verbünden.
Darauf, mir etwas Gutes zu tun.
 
 
 

Sonntag, 24. April 2016

#15 How many calories does running away from your problems burn?

Damals mit 15, als meine Essstörung begann, fing ich an zu rennen. Erst nur ab und zu, dann immer öfter, schließlich jeden Tag, 30 Minuten, 60 Minuten, morgens und abends jeweils 60 Minuten [...]

Ich rannte, um jede Kalorie zu verbrennen, die ich aufnahm. Ich rannte, obwohl meine Beine zitterten, obwohl mir oft schwarz vor Augen war, obwohl mein Herz stolperte. Ich rannte, bis mir schlecht war, bis zum Umfallen. Wortwörtlich.

Ich hasste das Rennen. Und gleichzeitig liebte ich es, denn die Zeit in der ich rannte war die einzige Zeit, in der mein Kopf aufhörte mich mit Gedanken zu überfluten. Denn wenn ich rannte, dann war er zu beschäftigt damit, mit dem Stolpern meiner Beine und meines Herzens Schritt zu halten.

Das Laufen wurde für mich zum Zwang. Ich wurde unruhig, wenn ich wusste, dass ich an einem Tag keine Zeit haben würde rennen zu gehen oder zumindest anderen Sport zu machen.
Ich plante meine Tage um das Laufen. Und wenn ich dafür Verabredungen absagen musste, dann war das eben so. Der Sport hatte für mich oberste Prioriät.

Mit dem Zwang stand ich außerdem ständig unter Druck. Ich hatte immerzu Angst, dass ich vielleicht einfach nicht laufen gehen würde, weil mir die Motivation dazu fehlt. Dieser Fall trat nicht ein. Trotzdem wurde die Angst von Tag zu Tag größer.

Selbstverständlich lief ich auch im Urlaub, auf Klassenfahrt, verkatert nach langen Partynächten, wenn ich krank war usw. - egal wie zeitig ich dafür aufstehen musste, egal wie schlecht es mir ging, ich lief immer.
Vielleicht mache ich mal einen Extrapost zu meinen peinlichsten und lustigsten Lauferlebnissen, das würde jetzt hier sonst ausufern ;-)

Von Anderen bekam ich Bewunderung für meine Disziplin und meine scheinbar unerschöpfliche Motivation. Ich bekam Komplimente dafür, wie fit ich wäre. Im Schulsport war ich die Beste im Ausdauerlauf-Test. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich im Schulsport in irgendetwas die Beste. Früher war ich eher die, die bis zum Schluss auf der Bank saß. Auf einmal hatte sich das radikal geändert.
Das alle bestärkte mich darin so weiterzumachen. 

HEUTE  mache ich immer noch viel Sport. Denn ich arbeite neben meinem Studium im Fitnessbereich. Nicht weil mich mein Kopf zwingt, sondern weil ich es liebe. 
Ich trainiere jetzt, weil ich meinem Körper etwas Gutes tun will, nicht mehr, um gegen ihn zu kämpfen. Und ich gebe meinem Körper die Energie, die er dafür braucht.

Es ist immer noch so, dass ich täglich Sport bzw. Bewegung brauche, nur selten mal gar nichts mache.
Obwohl ich weiß wie wichtig Regenerationsphasen für den Körper und den Trainingserfolg sind. 
Allerdings renne ich nicht mehr stundenlang. Ich merke, dass eine Stunde Yoga meinem Körper viel besser bekommt. Ich merke, dass 20-30 Minuten Krafttraining ausreichen. Manchmal laufe ich noch. Jedoch immer seltener. Viel öfter gehe ich jetzt einfach nur spazieren.

Inzwischen freue ich mich auf den Sport. Ich gebe zu, dass ich das Zwanghafte noch nicht völlig losgeworden bin. Aber ich lerne die Stopp-Signale meines Körpers immer besser zu akzeptieren.

Da es für einen Post viel zu viel werden würde, gehe ich demnächst vielleicht nochmal detaillierter auf meinen Weg vom Sportzwang zum Fitnesstrainer ein. Vielleicht schreibt ihr mir auch einfach kurz, ob euch das interessiert oder ob das Thema für euch eher weniger relevant ist :)

Habt einen schönen Restsonntag!